Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Kategorie-Archiv: Mombasa

Ein Bahama Mama, bitte!

(Victoria) Wie Carmen und Mitsch ja schon vorweggenommen haben – wir fuehlen uns wie in der Bountywerbung. Doch die Reise dorthin fuehrte nicht etwa durch Kokospampe mit Schokoladenglasur, sondern war wesentlich mehr Tortur. Freitagabend sind wir naemlich in den unheimlich modernen Nachtbus gestiegen – und die Party ging los. Im Grunde war uns der Bus zunaechst sehr sympathisch, denn er hatte ansprechende Features: Klimaanlage, Beinfreiheit, Kekse (Glucosekekse!), Wasser und, man glaubt es kaum, verstellbare Rueckenlehnen. Doch als nach kurzer Fahrt die grenzwertige Achtzigerjahremusik gegen einen Film ausgetauscht wurde, zeigte Guardian Angel sein wahres Gesicht. Denn es war nicht etwa, wie vielleicht legitim gewesen waere, ein Stummfilm, oder wenigstens eine beruhigende Unterwasserdokumentation ueber Schildkroetenbabies. Neeeein, es war ein Actionfilm, und da jeder der Charaktere gefuehlt mindestens dreimal verdammt geraeuschvoll gestorben ist, wurde das Schlafen unmoeglich. Denn auch das Ratterbumzong eines schiessenden Hubschraubers, der die halbe Leinwand zum Explodieren bringt, ist nur so mittelangenehm, zumindest nachts um 12. Als gegen halb 1 endlich der Film zu Ende war (da ich die Story nicht mitgekriegt hab, geh ich mal davon aus, dass einfach alle endgueltig mal tot waren), erfuellte nach wenigen Minuten afrikanische Popmusik den Bus – und ploetzlich wuenschten auch wir uns einen schiessenden Hubschrauber. Aber was solls, Muedigkeit siegt ja meistens, und aus diesem Grund kam uns Mombasa am naechsten Morgen um halb 6 fast schon etwas zu frueh. Doch als wir die letzten vergessenen Halstuecher rechtmaessig, und anderer Leute Kokosnuesse unrechtmaessig (und auch ohne Absicht!) aus dem Bus geholt hatten und nach einiger Zeit auch unser neuer Matatu ankam, wurden wir langsam wach. Dazu trug wohl auch der Regen (!) an der Kueste (!) bei. Und die Eindruecke der neuen Stadt – vor allem der Blick zwischen den Giebeln der schnuckeligen Altstadthaeuser auf den Indischen Ozean. Und jetzt sind wir schon fast wieder bei Bounty, denn nach einem kurzen Fruehstueck in Mombasa entschieden wir uns, direkt nach Tiwi Beach zu fahren.

(David) Timeshift: Unsere Kohten stehen mittlerweile, etwa 30 Meter von den endlosen weissen Sandstraenden des Indischen Ozeans entfernt. Um die Kohten herum stehen unzaehlige Palmen, am Strand verkaufen die Beach Boys (nicht die “Surfin USA”-Typen, aber die werden hier tatsaechlich auch so genannt) Kokosnuesse, die so frisch sind, wie so eine Nuss nunmal von ihrem Ursprung am Schopf der Palme bis zum Boden braucht. Ueberall, also auch an diesen Palmen klettern lustige Affen mit schwarzen Gesichtern und leuchtend tuerkisen Hoden. A propos tuerkis: Der Indische Ozean spielt offenbar regelmaessig in Werbungen mit, wir haben noch nie so viel tuerkises, klares Wasser auf einem Haufen gesehen. Das Wasser ist so warm wie sonst hier hoechstens noch die Luft, und hier gibt es keinen roten Staub, sondern feinsten weissen Sand. Ueberhaupt hat das Afrika von Tiwi Beach nichts mit dem Roter-Staub-Afrika der letzten zwei Wochen zu tun. Statt Loewensafari kann man hier tolle Riffbewohner sehen, aber dazu spaeter. Ein grosser Vorzug des Tiwi Beach Camp Resorts ist zweifelsohne die Bar, von deren Veranda man einen grossartigen Blick auf den in Wurfweite befindlichen Indischen Ozean hat. Hier gibt es leckeren Kaffee, Krest Bitter-Lemon-Limonade und nach Sonnenuntergang mitunter auch mal ein Tusker. In genau dieser Bar sitzt uebrigens auch Doc Kelzo und trinkt tagein, tagaus Bahama Mama. Bei Scrubs zumindest. Tiwi Beach ist das Paradies auf Erden, und der ideale Ort fuer uns, um mit der Fahrt abzuschliessen. Wenn ich mirs recht ueberlege koennten wir hier noch viel laenger die Fahrt abschliessen, es ist schade, dass wir morgen schon nach Mombasa und schliesslich nach Deutschland aufbrechen werden.

(Michelle) Und ploetzlich war es soweit: Der Indische Ozean lag direkt vor uns und der Anblick, der sich uns bot, stand saemtlichen Reisefuehrerbildern in nichts nach: Unendliche Weite, tiefes Blau, lange weisse Sandstraende und Palmen so weit das Auge reicht. Einfach genial.
Also war es selbstverstaendlich, dass wir schon bei unserer Ankunft am Tiwi Beach planten, ins kuehle Nass zu springen. Und kurz danach war es dann so weit: Die letzten Schritte ueber den heissen Sand, Kleider unter einer Kokospalme ablegen, noch einmal tief durchatmen, ein Blick auf den unendlichen Horizont und dann ein kurzer Schockmoment: Dort, wo wir eigentlich seichtes Wasser erwarteten, das so klar sein sollte, dass wir bis auf den sandigen Meeresgrund sehen konnten, waren nur Algen. Viele Algen. Viel zu viele Algen! Ein bisschen angeekelt stapfen alle weiter, der langersehnte Moment ist zum Greifen nah und dann ist er ploetzlich da und ein Ruf ertoent: “Wow, wir stehen in Indischen Ozean!”
Das Wasser ist nicht tief, es laesst sich weit hinauslaufen. Und dort, fast schon am Horizont stehen die anderen und werfen sich wagemutigst in die Fluten – das koennen auch wir uns nicht entgehen lassen! Also kaempften wir uns durch die Wellen, bishin zu dem Punkt an dem sich die Wellen brachen und wir die Freudenschreie der anderen vernahmen. Eine einzige Situation, deren einzigartige Schoenheit kaum in Worten beschreiben laesst, denn das Gefuehl, mit 27 lieben Menschen gemeinsam im Indischen Ozean zu stehen und sich von den Wellen treiben zu lassen, muss man einfach selbst mal gefuehlt haben.
Und dank Miri schafften wir es sogar, dieses Erlebnis zu optimieren, denn sie fuehrte uns an den Ort, an dem der Strand wirklich perfekt war und diese Perfektion nicht von laestigen Algen zerstoert wurde. Und so, mit dem reinen Sand zwischen den Zehen, der untergehenden Sonne am Horizont und dem salzigen Geruch des warmen Wassers in der Nase, konnten wir den nahezu perfekten Moment tatsaechlich ein zweites Mal erleben. Einfach der Wahnsinn.

(Birte) Grummel, es ist schon viel zu spaet. Schnorcheln war schoen, aber schreiben werd’ ich erst morgen.

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Kenia ade, scheiden tut weh

(Unser letzter Post ueber Tiwi Beach haengt in einer Zwischendimension fest und wird schnellstmoeglich nachgereicht)

(Michelle, Birte, Victoria, David) Der letzte Morgen begann mit Regen. So viel Regen, dass einige Moskitonetze in den Kohten unterspuelt wurden und einige Sippen sich gar nicht raustrauten. Von wegen Bountywerbung! Aber was will man machen: Wir mussten packen und Zelte abbauen, damit wir um halb drei nach Mombasa fahren koennen. Doch noch ein letztes Mal wurden wir Opfer der Kenyan Time und starteten mit mehrstuendiger Verspaetung nach einem Mittagessen mit Tintenfisch. Deshalb fiel die Altstadt gleich mal aus und wir durften in einem voellig ueberteuerten Kunsthandwerkermarkt unsere letzten Shillings verballern.

Nach einem letzten Besuch in einem kenianischen Restaurant mit Ugali, Chapati, Scumawiki und so weiter ging es dann ab zum Flughafen. Hier trieb der Abschied von Dan, Titus, Steve und Dan uns Traenen in die Augen und in uns allen wuchs der Wunsch, eines Tages zurueckzukehren. Asante sana, nataku miss! Friendship!

Wir checkten ein an einem ziemlich skurrilen Flughafen und gingen schliesslich zu Fuss zu einer kleinen Propellermaschine, die uns nach einer Zwischenlandung am Kilimandscharo Airport nach Addis Abbeba brachte, wo wir nun im Internetcafe sitzen. Der Sonnenaufgang ueber den Wolken und der Landeanflug ueber Aethiopien machten uebrigens massiv Lust auf mehr Afrika!!

Nochmal in aller Kuerze: Wir landen um 16:35 Uhr in Frankfurt. Familie Dhonau: Kommt bitte eure Kinder abholen! Familie Ehl: Kaesekuchen?