Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Ein Vulkan so hoch wie die Zugspitze

Donnerstag, der 28. September

Aufstehen. Diesmal immerhin 6:00 Uhr. Unser Ziel heute sollte der Mount Longonot sein, ein Vulkan mit der atemberaubenden Höhe von 2800 Metern. Wie hoch das wirklich ist, sollte uns später noch auffallen.Nach einem wunderbar kenianischen Frühstück in dem Lokal des Vortags ging es dann auch schon Richtung Berg. Auf dem Weg durften sich Jojo, Bär, Johanna und meine Wenigkeit bereits etwas aufwärmen, denn ein Kenianer blieb mit seinem Traktor im Sand stecken und benötigte Hilfe.

Am Berg angekommen starte das Abenteuer direkt mit einem sehr steilen Anstieg, der so manchen in der Gruppe bereits in seiner Ausdauer und Willenskraft testete, dieser wurde aber mit Bravour gemeistert. Das tückische an dem riesigen Vulkan war jedoch die Tatsache, dass der tatsächliche Gipfel gar nicht zu sehen war, bis wir es auf die Höhe des Kraters geschafft hatten. Allein diese Etappe sollte uns zwei Stunden kosten. Der Krater und der Ausblick den dieser mit sich brachte war jedoch unfassbar. Einige Gruppenmitglieder verglichen die Krater mit ihrem Wohnort und kamen zum Entschluss, die Fläche des Kraters müsse größer sein. An der Wahrhaftigkeit dieser Aussagen ließ sich auch tatsächlich kaum zweifeln. Nun, auf Höhe der vulkanischen, Dorf-großen Schlucht des Berges hatte schon der ein oder andere sein Pulver verschossen, zumindest konnte man das meinen. Aber nein! Die komplette Reisegruppe machte sich auf, um den Gipfel zu erreichen. So ging es also ungefähr 3km am Rande des Kraters entlang, so manche Kletterpartie musste bewältigt werden und so mancher Stein wurde erklommen. Nach weiteren schweißtreibenden Stunden, Herzblut und Bergsteigermentalität war es dann soweit. Die komplette (!) Gruppe erreichte den Gipfel des Mount Longonots, der sich in einer Höhe von 2800 Metern befindet, also nur 200 Meter weniger als die Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Spätestens ab diesem Moment realisierte jeder, dass wir vom Tal aus mal eben auf Hochgebirgsniveau gewandert sind. Überwältigt von der Aussicht und der mehr als respektablen Leistung beschloss jeder, die ganze Tour um den Krater zu vollenden, die noch ungefähr 4,5km lang und nicht minder schwierig war. Doch auch dies wurde von jedem geschafft, so dass wir, einmal um den kompletten Krater gewandert, wieder an unserem Startpunkt angekommen und mächtig stolz waren. Der Abstieg auf Talhöhe war so nur noch ein Kinderspiel.

Verstaubt, geschwitzt und wahnsinnig ausgelaugt ging es mit unserem Bus dann noch zum Markt, um die Zutaten für unser Abendessen zu besorgen. Mit deliziösem Mahl zum Abschluss war dann um neun Uhr schon Bettzeit, zu der unüberraschenderweise auch niemand gezwungen werden musste.

Jonas

Good Morning, Kenya!

Zu wahrlich unchrstlicher Uhrzeit hieß es heute, am 27.09.17: “Guten Morgen! Aufstehen!“. Der Chronograph zeigte gerade 5.30 Uhr an (4:30 Uhr deutscher Zeit) und wir schälten uns aus Schlafsäcken und Zelten. Moussa (unser Busfahrer) und Titus sitzen pünktlich um 6:00 Uhr im Führerhäusschen unseres überdimensionierten Safari-LKWs und lassen den Motor an, während wir alle einsteigen. Abfahrt zum Hell’s Gate Nationalpark! Wir legten noch einen Frühstücksstop ein bei dem lokalen Äquivalent einer Frühstückspension. Frische Avocados, Mandasi, gekochte Eier und der typisch kenianische Tee sorgten für eine energiereiche erste Mahlzeit des Tages.

Die Tour durch den Nationalpark fand auf Fahrrädern statt, die wir vor Ort ausliehen. Noch während der Übergabe der Räder lernten wir das Verständnis der kenianischen Paviane von Gastfreundschaft kennen: Ronja konnte gar nicht schnell genug gucken, da war ihr der volle Beutel mit Brot auch schon aus der Hand gerissen! Mit einer sehr provozierenden, fast schon arrogant wirkenden Gemütlichkeit setzte sich besagter Pavian einige Meter entfernt ins Gras und verspeiste ganz genüsslich unseren Laib Brot. Dies sollte nicht die letzte Begegnung mit Kenias diebischen Primaten sein..

Die Tour durch den Park war atemberaubend! Neben Antilopen, Zebras und Büffeln konnten wir Giraffen, Warzenschweine und die geniale Landschaft bewundern. Am Ende der mit dem Rad befahrbaren Strecke erwarteten uns zwei Massai, John und Joseph, die uns die von Menschenhand unberührte Schlucht zeigten, welche dem Nationalpark seinen Namen gab, das „Hells Gate“. Ein Naturschauspiel sondergleichen! Durch Regenfälle in den Bergen verursachte Fluten höhlten die Schlucht immer weiter aus und formten unbeschreibliche Schönheit. Vulkanische Aktivität und die beiden dort aufeinander treffenden tektonischen Platten taten ihr Übriges. 45% der kenianischen Energiegewinnung resultieren aus eben genanntem Vulkanismus: Ein gigantisches Geothermie- Kraftwerk lässt in Sachen nachhaltiger und umweltfreundlicher Energiegewinnung die deutschen Bemühungen um grüne Energie alt aussehen.

Die Tour über Stock und Stein endete wieder am Ausgangspunkt, an welchem wir dann unser nächstes großes Affenerlebnis hatten. Eine der drei Avocados, die mitten auf einem voll besetzten Tisch lag, wurde kurzerhand und dreisterweise von einem kleinen Äffchen geklaut. Johannes und ich sahen uns gezwungen, die Mittagsmahlzeit der Anderen zu schützen und gingen notwendigerweise roh gegen die Affen vor. Welche immer wieder ihr Glück versuchten. Die Rückreise zum Fisherman´s Camp wurde mit Gesang verkürzt.

Während der nachmittäglichen Bootstour über den Lake Naivasha durften wir majestätische Weißkopf- Seeadler und Flusspferde bewundern. Der Tag schien langsam auszuklingen, bis dann plötzlich eine Giraffe mitten auf dem Campingplatz stand! Die Giraffe musste sich hierher verirrt haben und konnte, dank ihrer Gelassenheit, für viele tolle Fotos Model stehen. Wer kann schon von sich behaupten, mal eine Giraffe im eigenen Kotheneingang stehen gehabt zu haben?

In freudiger Erwartung auf Grumbeeren (Pfälzisch für Kartoffeln) sitzen wir heute Abend gemeinsam beisammen und freuen uns auf den morgigen, hoffentlich nicht minder ereignissreichen, Tag!

Herzliche Grüße aus Kenia

und

Gut Pfad,

Bär

(Bemerkung: Aufgrund unzuverlässiger Internet Verbindung diesmal keine Bilder)

Acht Stunden Flug für zwei poppende Schildkröten

24.09.2017:

img_3846Der Flug verlief, bis auf ein paar trinkfreudige Kenianer, sehr ereignislos und ohne Turbulenzen. Als wir erfolgreich alle Kontrollen überwunden hatten, wurden wir direkt am Flughafen von Titus, unserem Reisebegleiter, und seinem Busfahrer Moses abgeholt. Erst hielten wir unser Gefährt für einen Scherz, da eigentlich ein unauffälliger Bus abgesprochen war, doch es war Titus vollster Ernst: Wir wurden ab sofort in einer lilafarbene Rakete auf vier Rädern transportiert. Mit Partymucke und Rotlicht wurden wir durch die vollen Straßen von img_3850Nairobi kutschiert und ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir trotz unserer Müdigkeit von neuen Eindrücken fast überflutet wurden.

Allein die Gerüche waren so überwältigend – und das gepaart mit dem Visuellen hat mich persönlich direkt von Anfang an begeistert. Am Ende waren wir alle froh, in unserer Unterkunft angekommen zu sein und nach einer kurzen Abendrunde ins Bett zu fallen. Wohlgemerkt mit Moskitonetz.

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25.09.2017:

Unser Tag begann ganz stilecht mit einem guten Frühstück, bestehend aus Schinken, Würstchen, Pfannkuchen (Chapati), Omlette, Tee mit Milch und einem Stück Wassermelone. Gestärkt und gut gelaunt stiegen wir in die Rakete. Ich denke, wir müssen uns mit der Zeit daran gewöhnen, angestarrt zu werden, etwas ungewohnt und befremdlich ist dann aber doch, wenn wirklich jeder in den Bus schaut und ungläubig dein Gesicht begutachtet.

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Alsbald kamen wir am Nairobi National Museum an und nach einem perfekten Einparkmanöver von Moses ging es auch schon los. Als unsere Führung begann (wir waren in zwei Gruppen geteilt) wurden wir quasi erschlagen von der Fülle der Informationen. Es war, wenn es auch anstrengend wurde sich zu konzentrieren, sehr interessant und hilfreich, um sich in diesem sehr fremden Land angekommen zu fühlen. Im Anschluss besuchten wir den Reptilienpark: Dort gab es Schlangen, Eidechsen, Schildkröten (die besonders viel Spaß hatten und ohne sich stören zu lassen ihre Nachkommenschaft sicherten) _MHB8783und sogar Krokodile. Einer der Wärter gab uns gegen Ende einfach so drei Chamäleons auf die Hand (Carla wurde hier als besonders Kuscheltier der Kleinen auserkoren und wurde ungewollt von ihnen abgeknutscht) und ein paar von uns durften einen Python um den Hals legen.

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Nach diesen kräftezehrenden Abenteuern meldete sich auch alsbald unser Magen und wir fuhren zu einem Supermarkt um dort auf dem Parkplatz, im Schatten einer hohen Mauer, unser Mittagessen zu uns zu nehmen. Bei diesem gab es sehr seltsam hellrot leuchtenden Ketchup. Nach einer kurzen Pipipause, in der SIM-Karten etc. gekauft wurden, setzten wir unseren Weg fort.

Was einem, vor allem wenn man IMG_1874aus so einem ordnungsliebenden Land wie Deutschland kommt, sehr auffällt, sind die Menschen, die einfach so über eine vierspurige Autobahn laufen und diverse Dinge verkaufen oder die Straße kehren. Darunter auch Kinder, die ohne Angst zwischen riesigen Autos und Bussen rumspringen. Der eigentliche Plan wäre gewesen, noch auf einen Aussichtspunkt zu fahren doch unser Tag war schon so erfüllt, dass wir ohne weiteren Programmpunkt zurück zu unserer Herberge fuhren.

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Nach einer kleinen Singerunde begannen wir auch alsbald mit dem kochen. Kurz darauf war es fertig und wir setzten uns zusammen. Nach anfänglichen Protesten gab es dann doch den, zumindest bei uns Falken traditionellen, Tischspruch und das Essen konnte beginnen. Es war sehr lecker (an dieser Stelle ein großes Lob an die Köche) und direkt danach haben wir uns zusammengefunden um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

Ronja

Neues aus Kenia, Neuwahlen & Crowdfunding

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde von Watoto Kabisa,

ihr habt ganz schön lange nichts von uns gehört. Deshalb überbringen wir euch heute gleich zwei Nachrichten: Eine Gute und eine Schlechte. Außerdem wollen wir euch zur Mitgliederversammlung einladen, berichten von unserem Crowdfunding und benötigen eine Info von euch.

Die gute Nachricht: Das Projekt läuft richtig rund!

Die gute Nachricht ist: Unser Projekt läuft seit etwa einem Jahr ziemlich gut. Wir versorgen seit 2011 Schulen in Kisumu am Victoriasee mit täglichen Mahlzeiten – mittlerweile ca. 600 Schülerinnen und Schüler. Besonders zufrieden sind wir mit unserem Ziegenprojekt: Gerade machen fast 50 Familien in fünf Gruppen mit, die sich selbst organisieren. Sie kümmern sich nicht nur um ihre Ziegen und dass sie genug Futter und medizinische Versorgung haben, sondern pflanzen auch Obst und Gemüse an. Alles in Eigenregie, mit professionellem Coaching.

Die schlechte Nachricht: Wir haben Lehrgeld gezahlt

Auf dem Weg dorthin hat unser Projekt ein paar Federn gelassen. Wir haben uns schweren Herzens entschlossen, unsere eigene Ziegenfarm zu schließen, nachdem unsere Zuchttiere immer wieder von Tse-Tse-Fliegen gebissen wurden. Jetzt kaufen wir hochwertige Ziegen für unsere Beneficiaries direkt auf dem Viehmarkt, was jedoch sogar günstiger ist.

Weiter mit SWONESU- besser denn je

Außerdem haben sich unsere Ansprechpartner vor Ort geändert: Wir haben eine gute und enge Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation SWONESU aufgebaut. Sie wird geleitet von der Sozialarbeiterin Berline Ndolo, die zuvor bei unserem alten Projektpartner CADAMIC beschäftigt war.

Die Lage in Kenia

Die Arbeit von Berline und ihrem Team bei SWONESU ist gerade besonders unentbehrlich: In Kisumu hat es seit Oktober nicht mehr geregnet, und für die nördlichen Landesteile Kenias wurde bereits der Hunger-Notstand ausgerufen. Unsere Freunde am Victoriasee spüren die Dürre vor allem in stark gestiegenen Lebensmittelpreisen. Wir haben uns deshalb entschlossen, zwei weitere Schulen in unser Schulspeisungsprogramm aufzunehmen. Für die Finanzierung sorgen wir mit der Unterstützung des Internets:

Crowdfunding

Bis zum 21. Mai sammeln wir in einem Crowdfunding Geld für die zusätzlichen Schulspeisungen. Um 1.000 Schülerinnen und Schüler ein ganzes Jahr lang mit einer täglichen warmen Mahlzeit zu versorgen, reichen weniger als 5.000 Euro aus. Um sie zu erhalten, sind wir auf deine Unterstützung angewiesen: Erzähle Familie und Freunden von unserem Crowdfunding – schon kleine Beträge helfen, wenn viele Menschen mitmachen. Und das geht hier: https://www.ecocrowd.de/projekte/mehr-schulspeisungen-fuer-kisumu/

Weihnachtsaktion

Eine positive Bilanz können wir hingegen von unserer Geschenkkarten-Aktion ziehen: Unter euren Weihnachtsbäumen lagen dieses Mal Karten im Wert von insgesamt ca. 2000 Euro, die mittlerweile bereits in Kenia angekommen sind und dort in Ziegen, Schulspeisungen etc. investiert werden.

Einladung zur Mitgliederversammlung

Kaum zu glauben: Unsere letzte Mitgliederversammlung mit Neuwahlen ist schon wieder zwei Jahre her. Deshalb treffen wir uns nach der Landesversammlung des BdP LV Rheinland-Pfalz/Saar, am 7. Mai 2017 um 12:30 Uhr im Pfarrheim (unterhalb der katholischen Kirche), Immendorfer Straße in 56077 Koblenz. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte:

  1. Begrüßung
  2. Wahl eines Versammlungsleiters und eines Protokollführers
  3. Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung
  4. Bericht des Vorstands
  5. Bericht der Kassenprüfer
  6. Entlastung des Vorstands
  7. Neuwahl des Vorstands
  8. Anträge
  9. Sonstiges

Wir freuen uns auf euer zahlreiches Erscheinen!

Wir brauchen eure IBAN-Nummern

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, haben wir schon ein paar Jahre keine Mitgliedsbeiträge mehr eingezogen. Das lag am Wechsel unserer Ansprechpartner, wegen dem zwischenzeitlich nicht klar war, wie es weitergeht mit Watoto Kabisa. Jetzt sitzen wir fester denn je im Sattel und sind hoch motiviert, unsere Arbeit weiter auszubauen. Deshalb wollen wir Anfang April wieder Mitgliedsbeiträge einziehen, um unseren Partnern in Kenia möglichst viel Unterstützung zukommen zu lassen.

Wir hoffen, an eurer Bereitschaft, euch zu beteiligen, hat sich nichts geändert. Falls doch, schreibt uns bitte eine kurze Mail an vorstand(at)watoto-kabisa.de

Schreibt uns aber bitte auch eine kurze Mail, wenn ihr uns weiter unterstützt: Seit unserem letzten Bankeinzug ist das IBAN-Verfahren zur Pflicht geworden. Schickt uns gerne eure aktuelle IBAN – die lässt sich zwar auch aus Kontonummer und Bankleitzahl errechnen, aber wir hören immer wieder gerne von euch.

Wir freuen uns auf eure Mails, und darauf, euch im Mai in Koblenz wiederzusehen.

Zweite Keniareise des LV RPS im Herbst 2017

Unser Projekt läuft gerade so erfreulich, dass wir uns dazu entschlossen haben, im Herbst 2017 eine zweite Keniareise unseres Landesverbandes durchzuführen. Über den aktuellen Stand der Planungen wird auch die Fahrtenleitung David Ehl, Wiebke Spieß, Victoria Ehl und Thomas Schnubel bei unserer Vollversammlung berichten.

Bleibt uns gewogen & Asante sana,

David und der gesamte Watoto Kabisa-Vorstands

Neues aus Kenia!

Hallo, ich bin Wiebke.

Die letzten drei Wochen habe ich in Kenia verbracht und die unterstützten Projekte von Watoto Kabisa besucht. Währendessen habe aufgeschrieben, was es so zu sehen gab. Ganz schön viel – vor allem ganz schön viel neues!

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Finanziell unterstützt wurde meine Reise, und somit natürlich auch die weitere Arbeit im Förderverein Watoto kabisa!, von der Stiftung Pfadfinden. Vielen vielen herzlichen Dank dafür!!!

 

 

 

 

Karibu Kenya!

Schnellstraßen überquerende Zebras, klapprige Fahrzeuge, staubig- verrauchte Luft und dazu afrikanisches Trommelgedudel – Wie schön! Ich bin angekommen im nächtlichen Nairobi, sitze jetzt völlig übermüdet im Auto des freundlichen Tabu, der mich vom Flughafen zu seinem Haus transportiert. Hier werde ich die erste Nacht meines drei-wöchigen Aufenthalts in Kenia verbringen.

Seit diesem Jahr ist Tabu Chairman im Board von SWONESU. SWONESU? -Ja, „SEME WORLD NETWORK FOR SUSTAINABLE CHANGE“ heißt die regierungsunabhängige Organisation, Nachfolger von CADAMIC, die die von uns geförderten Projekte in Kisumu betreut und vorantreibt. Das Board wurde Anfang des Jahres im Zuge der Neuregistrierung von SWONESU zusammengestellt. Bestehend aus sieben erfahrenen Mitgliedern aus unterschiedlichen Berufsfeldern wie zum Beispiel der Landwirtschaft, Buchhaltung, Journalismus und der Arbeit in NGOs steht es der Organisation mit Rat und Tat zur Seite.

Es ist wirklich viel Zeit vergangen, seit ein Watoto Kabisa-Volunteer zum letzten Mal von den Fortschritten und Veränderungen der Projektarbeit  berichtet hat.

Vor allem unser Ziegenprojekt hat sich im Laufe der letzten Jahre ganz schön gewandelt. Angefangen hatte alles mit der Idee, einzelnen Familien mit einer Ziege als Startkapital die Möglichkeit zu verschaffen, eine eigene Ziegenfarm aufzubauen. Der Verkauf von Milch und Ziegen, sollte den Kindern der Familie finanziell den Besuch einer Schule ermöglichen. In dem Dorf Mbuye wurden die Projektziegen gehalten und von dort aus an die bedürftigen Familien verteilt. Es hat sich allerdings gezeigt, dass eine Familie allein kaum in der Lage ist eine nachhaltig wirtschaftende Milchziegenfarm aufzubauen.

Nach dem Vorbild des sehr erfolgreichen Ziegenprojekts in Sidindi wurde das Projekt also umstrukturiert, sodass jetzt nicht mehr einzelne Familien, sondern Gruppen von rund 10 Familien gemeinsam Ziegen halten, also auch deren Futter anbauen und für anfallende Tierarztkosten und Medikamente (vor allem gegen die Tsetse-Fliege) aufkommen. Dieses Konzept hat sich auch in unser Arbeit als sehr erfolgreich erwiesen: 50 Familien sind mittlerweile Mitglied in einer der fünf Beneficiary Gruppen! Aus dem letzten Bericht von SWONESU ging hervor, dass sich die Arbeit in den Gruppen nicht mehr allein auf das Halten von Ziegen beschränkt (der aufwendige Anbau von Ziegenfutter und das Bauen von Ställen mit inbegriffen), sondern mittlerweile sogar Obst und Gemüse gemeinschaftlich angepflanzt werden. Ich bin also sehr gespannt was mich bei meinem Besuch in Kenia erwartet.

 

Nach einer kurzen Nacht, einem schnellen White-Bread-Blue-Band Frühstück und Fotoshooting mit Tabus aufgeregten Kindern, zwei herausgeputzten African Ladys und Muzungu geht es für Tabu und mich auch schon wieder los in Richtung Kisumu. Nairobi ist zu dieser frühen Morgenstunde noch fürchterlich kalt, durch die Nebelschwaden lässt sich das Panorama auf weite Teeplantagen, das sich von der Anhöhe im Westen Nairobis aus bietet, nur erahnen.

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Verzweifeltes Augenoffenhalten beim morgendlichen Fotoshooting mit zwei von Tabus Kindern

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Blick ins Great Rift Valley auf dem Weg nach Nairobi

Kisumu erreichen wir gegen Mittag. Die strahlende Berline empfängt uns zusammen mit dem kompletten SWONESU Staff in ihrer Wohnung. Hier werde ich während meines Aufenthalts wohnen. Ein Wahnsinnsbüffet hat sie vorbereitet, mit dabei selbstverständlich ein riesiger Klotz UGALI – ob ich den vermisst habe?…. AHHH, geht so. Jedenfalls habe ich hier die Möglichkeit die Neubesetzung der Organisation ein wenig kennenzulernen. Das hauptamtlich arbeitende Team besteht aus Berline (Projekt Managerin, Mentorship for adolescent girls in Kudho und Manyatta Arab Primary Schools), Christine (verantwortlich für Nursery Art in Kudho und Manyatta Arab Primary Schools), Eva (Accountant), Nicholas (Mentorship for adolescent Boys in Kudho und Manyatta Arab Primary Schools) und – besonders spannend für uns: Mary. Mary ist allein für das Landwirtschaftsprojekt zuständig, verbringt somit nahezu 100% ihrer Arbeitszeit in den Projektgruppen, um sie professionell anzuleiten und zu unterstützen. Mit ihr zusammen werde ich in den kommenden Wochen alle fünf Ziegengruppen besuchen.

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Foto mit dem Staff von SWONESU (leider ohne Christine): von links nach rechts stehen da the german visitor, Nick, Eva, Mary und Berline

 

Unterwegs in den Schulen

Nachdem ich im Introduction Meeting das Board von SWONESU kennengelernt habe, geht es jetzt endlich los mit Schulbesuchen, Gesprächen und Besichtigungen. Zuerst sind die Primary Schools Ogango, Kudho und Manyatta Arab an der Reihe. Alle Schulen bereiten täglich Porridge zu, dessen Zutaten monatlich von unseren Fördergeldern gespendet werden. Für einige der Schüler ist diese Schulspeisung die einzige Mahlzeit am Tag.

Die Ogango Primary School liegt in Berlines Nachbarschaft und so erreichen wir die Schule zu Fuß und nicht mit den üblichen Verkehrsmitteln wie Matatu oder Motorrad. Das Wohngebiet Ogango ist eines der ärmsten Kisumus. Winzige Blechbehausungen, massenweise Müll auf den roten Staubwegen, herumstreunende, parasitenzerfressene Hunde und dazwischen spielende Kleinkinder bestimmen hier die Szenerie, alles untermalt von dem Geruch nach verbranntem Plastik und Abgasen.

In der Schule treffen wir auf Josephine, die Schulleiterin. Sie gibt einen Einblick in die Lebenssituation ihrer Schüler. Etwa die Hälfte von ihnen sind Voll- oder zumindest Halbwaisen; Die meisten der verstorbenen Eltern sind Aids zum Opfer gefallen. Vergewaltigung, Prostitution und Drogenmissbrauch gehören hier zu den Alltagsthemen. Ein Mentorship Programm, das die Probleme der Jugendlichen behandelt und bereits an der Kudho und der Manyatta Arab Primary School angeboten wird, wäre also auch hier von großer Wichtigkeit. Ganz furchtbar bestürzend, frustrierend und verärgernd sind die Geschichten aus dem Leben der Schulkinder. Hier wird ganz klar, was existenzbedrohliche Armut alles anrichtet: sie raubt jeglichen Sinn für die Zukunft, führt zu Kriminalität, Gewalt, Geiz und Egoismus, Korruption und Ignoranz. Es lässt mich zumindest ein bisschen verstehen, weshalb die ärmsten der Armen beispielsweise die meisten Kinder haben und gibt einen der Gründe an, weshalb sie mental überhaupt nicht in der Lage sind aus eigener Kraft etwas an ihrer Situation zu ändern – lähmend ist sie, die totale Mittellosigkeit.

Durch die Schulspeisungen konnten immerhin ein paar Probleme der Schule angegangen werden: Schüler können sich mit etwas nahrhaftem im Bauch wesentlich besser konzentrieren, folglich haben sich auch die Leistungen der versorgten Kinder deutlich verbessert. Für manche ist der morgendliche Porridge sogar die einzige Motivation überhaupt regelmäßig zum Unterricht zu erscheinen. Im August konnten außerdem 25 Schuluniformen von Watoto Kabisa Spenden für besonders bedürftige Ogango-Schüler angefertigt werden.

Nach unserem Gespräch werden Berline und ich über das Schulgelände geführt. Auch hier fehlt an allen Ecken und Enden das Geld. Als Klassenräume dienen dunkle, einsturzgefährdete Baracken und für die annähernd 700 Schüler gibt es gerade mal 12 Toiletten.

 

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Achtklässlerinnen aus Ogango

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Ogango Schüler

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Berline mit einem Jungen, der nach Schulmaterial gefragt hat

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Unterricht in einsturzgefährdeten Räumen

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Toilettenhaus

 

Die Kudho Primary School ist im größten Slum Kisumus gelegen, dem Obunga Slum. Sie ist mit knapp 1000 Schülern etwas größer als die Ogango Primary School, unterscheidet sich aber hinsichtlich der Räumlichkeiten und dem Hintergrund der Schüler kaum von ihr. Auch in dieser Schule treffen wir die Schulleiterin, die übrigens Mitglied im SWONESU Board ist. Sehr beeindruckt bin ich von ihr! Trouphena ist eine super starke, herzliche und offene Frau, die voller Wärme und Fürsorge hinter ihren Schülern steht. Außerdem hat sie viele Ideen was die Projektarbeit in der Schule angeht. Sie plant, einen Teil des Schulgeländes als Feld zu nutzen, auf dem in Zukunft Mais und Bohnen für die Schüler angebaut werden sollen. So könnten nachhaltig und unabhängig von Spendengeldern Schulspeisungen angeboten werden. Eine super Sache, wie ich finde!! Sollte das Konzept einer Schulfarm aufgehen, wäre eine nachhaltige, spendenunabhängige Lösung des Hungerproblems in der Schule geschaffen.

In der Kudho Primary School findet abgesehen vom School feeding noch ein anderes Projekt SWONESUs statt: Adolescence Mentorship. Nicholas und Berline sind dafür verantwortlich. Sie treffen sich regelmäßig im Rahmen einer freiwilligen AG mit den Mädels (Knit and Chat Club) und Jungs (Kick and Chat Club) der Schule. In einer lockeren Atmosphäre werden hier Alltagsprobleme und Zukunftspläne der Kinder und Jugendlichen besprochen. Beim Besuch des Kick and Chat Clubs der 9 bis 12-jährigen wird mir noch einmal  die Lebenssituation dieser Jungen bewusst. Nicholas spricht mit ihnen über das Thema Drogen – sie wissen Bescheid, alles wissen sie. Drogenmissbrauch ist in den Familien und im näheren Umfeld allgegenwärtig.

Trouphena befürwortet das Mentorship Programm sehr, sie meint allerdings, dass vor allem die Schulabgänger in der 8. Klasse mehr Unterstützung brauchen.  Nur die allerwenigsten von ihnen werden nach der Primary School die Schulbildung in der Secondary School fortsetzen können, zu hoch sind die Schulgebühren und zu groß die Verantwortung für die Familie, die einige Jugendliche durch Armut oder Schicksalsschläge bereits zu tragen haben. Dieser überwiegende Teil ist jetzt, in diesen jungen Jahren, ohne weiterführende Ausbildung, ganz besonders gefährdet, in den Abgrund der Armut abzurutschen. Ein Programm, das gewisse Fertigkeiten wie nähen, Fahrzeuge reparieren oder Haare frisieren schult und Anleitung zum Aufbau eines eigenen Geschäfts vermittelt, würde hier wahrscheinlich sehr helfen. Leider ist ein Angebot in solch einem Umfang momentan nicht umzusetzen.

Außer im Bereich der Landwirtschaft, da hat SWONESU ja sehr wohl Ressourcen, um den Schülern zumindest ein mögliches Geschäftsmodell vorzustellen: Berline wird das bei der nächsten Gelegenheit mit dem Schulpersonal besprechen. Auch in diesem Sinne ein weiterer Pluspunkt für die Schulfarm: vielleicht könnte sie ja als Ausbildungsstätte dienen…

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Vorschulkinder Kudho Primary

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Quatschkopf und Uji (mein allerliebstes Lieblingsbild)

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Uji Time – Schulspeisung in der Kudho Vorschule

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Das Gebäude der Manyatta Arab Primary School wurde vor einiger Zeit von einer deutschen Organisation erbaut und ist wirklich sehr schick und modern. Der Schein trügt allerdings, auch hier gehören die Schüler zu den ärmsten Familien des Landes.

Der Schulleiter Mr Abdul ist wie Trouphena eine wahnsinnig aufmerksame, freundliche und witzige Persönlichkeit. Auch er sprüht förmlich vor Energie und Ideen zur Verbesserung der Zukunftsaussichten seiner Schüler. Ihm liegt besonders die Förderung junger Fußballtalente am Herzen.

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Schüler aus Manyatta Arab

Mit Mr Faraji, der die Pfadfindergruppe der Schule leitet, spreche ich auch. Anders als in Deutschland findet Pfadfinderei in Kenia in Form eines Schulclubs statt. Er berichtet von der fallenden Mitgliederzahl der Gruppe. Chancen auf einen Preis bei einem der lokalen Pfadfinderwettbewerbe habe seine Gruppe nicht mehr und mehrtägige Ausflüge seien auch nicht möglich. Schuld an dieser Misere: fehlende Zeltausrüstung, zerschlissene und zu klein gewordene Kluften – seine Schüler schämten sich deswegen. Er bittet um erneute Unterstützung vom Förderverein. Die Pfadfinder der Manyatta Arab Primary School haben vor fünf Jahren von Watoto Kabisa Spenden in Form von acht Kluften erhalten, aus denen die Kinder im Laufe der Zeit heraus gewachsen sind, oder der Stoff zu abgenutzt ist, um die Kleidung noch tragen zu können.

Eine erneute Spendenaktion? Eine Tauschaktion? Mal sehen… ein paar Ideen habe ich schon, wie an dieser Stelle nochmal geholfen werden könnte.

Die Kodiaga Prison Primary School, die ich allerdings erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt besuche, empfängt auch die täglichen Schulspeisungen. Von den 700 Schülern können jedoch nur 500 versorgt werden. Wie der Schulleiter berichtet, ist die Gesamtpopulation der Schule in den letzten Jahren gesunken, die Zahl der mittellosen Kinder jedoch gestiegen: Während viele Schüler auf neu entstandene Primary Schools im Umkreis wechseln, weckt die Grundschule in Kodiaga auf Grund der Schulspeisungen immer mehr das Interesse der besonders armen Familien. Es fällt also zunehmend schwer, die bedürftigen Schüler für die geringe Menge an Porridge auszuwählen. Der riesige Schulhof würde aber genug Platz für eine Schulfarm bieten. HA! Super! Umzusetzen allerdings nur mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Wieso? Schuld ist die merkwürdige Lage der Schule. Wie der Name schon sagt befindet sie sich auf dem Gefängnisgelände des Kodiaga Prison. In diesem Gebiet, zwischen den Unterkünften der Gefangenen, gefängniseigenen Ackerflächen und Stacheldrahtzäunen, liegt nicht nur die öffentliche Primary School, sondern hier leben ganz normale Familien und auch einige der Landwirtschaftsprojektmitglieder. Verantwortlich für die Sicherheit auf dem Schulgrundstück ist somit das Gefängnispersonal. Vielleicht lässt sich über diese Verbindung ja ein Wachposten und eine Umzäunung der Schulfarm finanzieren.

Von den insgesamt 50 gespendeten Schuluniformen ging übrigens die zweite Hälfte an 25 Schüler der Kodiaga Primary School.

 

In den drei Vorschulklassen von Manyatta Arab und Kudho Primary School, der ECDE section (early childhood development education), nehme ich an einigen von Christines Nursery Art Lessons teil. Im Grunde sind das einfache Bastel-, Mal- und Spielstunden, für die Klassen aber immer ein Highlight – mit Spielzeug und Buntstiften kommen die Kinder ansonsten nämlich nicht in Kontakt. Im Gegensatz zur Primary Section ist der Besuch der ECDE Klassen nicht kostenlos, was den Eltern der Vorschulkinder große Probleme bereitet. 300 KSH werden hier im Monat zur Bezahlung der Lehrkräfte und der Beschaffung von Schulspeisungen verlangt, hinzukommen Ausgaben für Schulmaterial und Uniform. Schulspeisungen wurden, abgesehen von unserem Programm, bislang noch nicht gestellt, wobei die Schulen ab diesem September alle vier Monate vier Säcke Reis vom County Government für die ECDE Klassen erhalten sollen. Viel Vertrauen setzen die Lehrer allerdings nicht diese Initiative – zu korrupt sei der ganze Politapparat.

 

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Nursery Art in der Kudho Primary School

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Christine mit Kindern

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Nursery Art in der Manyatta Arab Primary School

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Abgesehen von den ganzen beklemmenden und frustrierenden Eindrücken bin ich gerne in den Grundschulen unterwegs. Hier begegne ich nämlich vor allem wahnsinnig aufgeregt kichernden Kindern, die fasziniert beobachten, wie Flecken auf meiner Hand entstehen, wenn das Blut unter der Haut weggedrückt wird. Hände schütteln, lachen, quietschen und diese seltsamen Haare  anfassen (sind die tatsächlich echt?) ist dann angesagt. Weiße Menschen kennen die meisten nur aus dem Fernsehen oder von Werbeplakaten.

Dieses ganze Angestarre auf der Straße und die permanenten „MUZUNGU! How are you?“- Zurufe, die mich jeden Tag begleiten, kann ich deswegen ganz gut nachvollziehen. Die allermeisten sind auch sehr nett gemeint. Ab und zu würde ich mich aber trotzdem gerne verstecken. Meine helle Haut steht hier für Reichtum und hindert mich manchmal daran, ganz normal, wie jeder andere auch, mit Fremden Gespräche zu führen, Matatu zu fahren oder einfach am Straßenrand entlang zu gehen. Unfrei macht sie mich, und abhängig von den Kenianern, die ich begleite.

Spannend ist es, wenn zwei so verschiedene Kulturen aufeinander treffen und interessant zu erfahren, wie die Vorstellungen von meinem Leben in Deutschland sind. So sind einige Kenianer sehr erstaunt, dass ich banale Fähigkeiten wie spülen und Tee kochen besitze. Naja, die amerikanischen Soaps, die hier fast in Dauerschleife im Fernsehen gezeigt werden, und die vom scheinbar normalen Leben in einem Industriestaat erzählen, handeln meistens von hysterischen, superreichen Anzugträgern, die fette Autos besitzen, in Wolkenkratzerbüros arbeiten und modern ausgestattete Riesenvillen bewohnen.

Von lifestock und crop production

Im Laufe meiner Keniareise besuche ich der Reihe nach alle fünf Gruppen des Landwirtschaftprojekts (Korando A, B1, B2, C & D), benannt nach der ländlichen Gegend Korando im Westen Kisumus. Skurrile Felsanordnungen und kleine Ackerrechtecke prägen diese Hügelgegend. Schön ist es hier –  frischgrün und sehr idyllisch! Mitglieder der Gruppen sind hauptsächlich verwitwete, alleinstehende Mütter oder Großmütter, die es besonders schwer haben den Lebensunterhalt ihrer Familien und die anfallenden Schulkosten der Kinder zu finanzieren. Trotz der abgeschafften Schulgebühren in Primary Schools, fehlen einige Schüler immer wieder im Unterricht, weil sie sich Uniform und Schulbücher nicht leisten können.

Die meisten Beneficiarys leben in Lehmhütten ohne Strom und fließendem Wasser. Zu diesem traditionellen Bild, das die Hütten in dieser Gegend abgeben, bildet so manche Inneneinrichtung einen fast witzigen Kontrast: Fußballposter von Manchester United neben kitschigen Christusdarstellungen, amerikanischen Alphabet-Lernplakaten und Bildern von puttenartig stilisierten Babygesichtern inmitten einer Landschaft aus Spitzendeckchen und Plüschtieren.

Zunächst bin ich etwas enttäuscht, als ich von den Entwicklungen der Ziegenhaltung erfahre: Selbstgebaute Ställe, die im letzten Jahr schon standen, mussten auf Grund von Fehlkonstruktionen abgerissen werden, eine Ziege ist an Überfütterung gestorben und andere wurden verkauft – zu groß war die Geldnot der Besitzer. Einige der Ziegenverkäufer haben daraufhin das Projekt verlassen und wurden durch neue Mitglieder ersetzt, andere mussten als Entschädigung selbst eine Projektziege besorgen, sobald sie finanziell dazu in der Lage waren. Im letzten Jahr war außerdem noch kein spezieller Posten für das Landwirtschaftsprojekt in der Organisation eingerichtet, somit konnten die Beneficiaries nicht in dem Umfang und mit dem Wissen betreut werden, wie Mary es jetzt gerade tut. Erst seit fünf Monaten unterstützt sie die Projektarbeit, und für diesen kurzen Zeitraum hat sich doch eine ordentliche Menge getan, wie ich finde!

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Rosemary (Korando A), selbstgebauter Ziegenstall und Ziege namens Rachel, mit der Rosemary ihre verstorbene Projektziege ersetzt hat

Korando A, die ich als erstes besuche, sind die am weitesten fortgeschrittene Gruppe, was die Ziegenzucht betrifft. Im April wurde hier der reinrassige Milchziegenbock „Mitsch-Mandela“  an Chairman Mr. Opogo vergeben. Vier Nachkommen hat er bereits gezeugt und fünf weitere Projektziegen sind trächtig… Was ein Kerl!

Bevor für die Beneficiaries ein reinrassiger Toggenburg Bock angeschafft wird, müssen einige  Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehören zum Beispiel der ausreichende Anbau von Ziegenfutter, ein fachgerechter Stall, regelmäßige Treffen, um Ziegen zu entwurmen und mit Antipestiziden einzusprühen, und eine zuverlässige Dokumentation der Gruppenaktivitäten.

Die wichtigsten Kriterien für einen geeigneten Ziegenbock-Stall:

  1. Stabilität, um dem zerstörerischen Imponiergehabe der Böcke standzuhalten
  2. ein erhöhter Boden – verhindert, dass der gute Herr in seinen Hinterlassenschaften steht. Diese fallen nämlich durch die Lücken zwischen den Planken der Plattform auf die Erde und können als Dünger benutzt werden. Außerdem schützt das Stelzenhaus vor Ungeziefer.

 

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Mama Magdalene (Korando A) mit eingesprühtem Toggenburg Buck Mitsch Mandela

 

Neben diesem Ziegenprojekt ist in letzter Zeit aber noch einiges mehr in den Gruppen passiert!

Dank der Zusammenarbeit mit dem Lifestock Office Kisumu West und der Organisation ICIPE (international centre of insects, physiology and ecology) hat mittlerweile jedes Projektmitglied einen eigenen Küchengarten angelegt, in dem das Gemüse für den Eigenbedarf angebaut werden kann. Momentan macht das trockene Wetter den Leuten allerdings einen Strich durch die Rechnung: seit Mai hat es hier nicht mehr richtig geregnet, dementsprechend mau ist die Ausbeute in den kleinen Gärten.

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vor Hühnern geschützter Küchengarten von Mama Josephine (Korando A), links: Mr Opogo

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Mrs Opogo, Mama Marcella und Mr Opogo (Korando A) können trotz ausbleibender Regenfälle Süßkartoffeln ernten

Vor ein paar Wochen hat Mary ein weiteres Bepflanzungsprojekt gestartet, das „vegetable suck planting“. Dabei wird ein alter großer Plastiksack am Boden aufgeschnitten und mit Erde befüllt, die dann durch die Sacköffnung und kleine Löcher rundherum bepflanzt wird. Diese Methode spart nicht nur Platz, sondern vor allem Wasser. Das Ergebnis kann sich trotz des trockenen Wetters absolut sehen lassen!!! Super einfach und super effektiv!

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Josephine mit ihrem überquellenden vegetable suck

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Mittagessen für Mama Josephines Projektziege – natürlich gibt’s nur ziegengeeignete Pflanzen zu futtern (hier: Caliandra)

Korando A hat aber noch andere Pläne: Momentan sammelt die Gruppe Baumaterial für eine Hühnerfarm. Mit dieser Hühnerfarm soll neben der Ziegenzucht und dem Anbau von Obst und Gemüse ein weiteres Standbein entstehen. Eine wunderbare Eigeninitiative, die zeigt, wie erfolgreich das Landwirtschaftsprojekt schon ist und mit welch hoher Motivation die Mitglieder bei der Sache sind. Auch wenn es mit der Ziegenzucht tatsächlich erst mal nur schleppend voran gegangen ist, hat sich die Arbeit in und mit den Gruppen sehr verändert. Wurde das Projekt anfänglich von SWONESU oder uns vorgegeben und angeleitet, so wird es jetzt vielmehr betreut und unterstützt, Neuerungen werden zunehmend von den Beneficiaries selbst vorgenommen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist außerdem die neue Group Farm der Gruppe Korando B1, eine Idee von Mitglied Mr. Lumumba. Auf dieser Gruppenfarm finden vor allem Ausbildungseinheiten zu verschiedenen Anbautechniken statt. Die Futter- und Gemüsepflanzen, die hier wachsen, werden als Saatgut-Quelle für die Beneficiaries genutzt. Eine großartige Idee, mit der die hohen Ausgaben für Pflanzensamen vermieden werden können und ein weiterer Schritt Richtung Unabhängigkeit von SWONESU und Spendengeldern. Mit Hilfe von ICIPE wurden auf der Group Farm bereits dürreresistente Futterpflanzen wie Greenleaf Desmodiam, südafrikanisches Nappiergras und einigen Süßkartoffelsorten angebaut. Mittlerweile haben auch die anderen vier Projektgruppen Group Farms oder zumindest ein Gelände ausgewählt, auf dem diese entstehen soll.  Mr. Lumumba ist übrigens ausgebildeter Farmer, der sehr begeistert vor einigen Monaten mit seiner Familie in das Landwirtschaftsprojekt eingestiegen ist. Ein wahrer Motivator und zugleich Vorbild für die Gruppenmitglieder.

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Arbeit auf der Gruppenfarm von Korando B1 – Hier wird gezeigt, wie das dürreresistente, grünblättrige Desmodiam (Ziegenfutter) am besten angepflanzt wird (von vorne nach hinten: Mama Grace, Mama Rose, Beatrice und Mary)

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aus einem alten Moskitonetz schneidet Mary Schnüre, mit denen die Pflanzen gestützt werden

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ein Teil der B1 Gruppenfarm – im Hintergrund wächst üppig dürreresistentes Nappiergras aus Südafrika (Futterpflanze)

Bei meinen Besuchen zeigen mir die Beneficiaries außerdem, was mit den kleinen Bananensprösslingen passiert ist, die letztes Jahr von einem Ausbildungsseminar im Vorzeigeprojekt in Sidindi mitgebracht und auf die Projektgruppen verteilt wurden. Stattliche Bananenstauden sind inzwischen daraus entstanden und aus den ursprünglich insgesamt 9 Pflanzen sind 22 geworden. Die Früchte einer Bananenstaude werden für 700 bis 1000 KSH (ca. 7-10€) verkauft – eine gute Einkommensquelle, besonders hier in dieser tropischen Klimazone, in der zweimal im Jahr geerntet wird.

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Projektbananen von Korando B1

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Mr Lumumba präsentiert eine stattliche Bananenernte

 

Korando B1 und B2 haben noch keinen Ziegenbock empfangen. Aufgrund der Logistik und der geringeren Zahl an Gruppenmitgliedern werden sich die beiden Beneficiary Groups einen Bock teilen, sobald ein geeigneter Stall steht.

 

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die Gruppe Korando B2 (leider nicht ganz vollständig)

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Bananen wachsen auch in der Gruppe B2 – und was für welche!

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Arbeit auf der Gruppenfarm – hier werden Kartoffelpflanzen von Unkraut befreit

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eine freundliche B2 Projektziege sagt: „Jambo!“ – frisch mit Antipestiziden eingesprüht geht es ihr richtig gut

Korando C hat schon im letzten Dezember einen Toggenburg Bock erhalten. Einen Nachkommen hat er gezeugt und fünf weitere Projektziegen geschwängert. Auch in dieser Gruppe läuft, was Küchengärten und Gruppenfarm betrifft, alles rund.

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Korando C vor einem super duper Ziegenstall für „Christoph“

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gegen Fliegen, Mücken und Zecken gewappneter Toggenburg Bock Christoph

 

Die Gruppe Korando D wurde erst vor fünf Monaten gegründet. Projektziegen gibt es unter den Neulingen noch keine, das Anlegen der Küchengärten, der Gruppenfarm und den vegetable sucks funktioniert aber prächtig! Ziegenfutter wurde auch schon einiges gepflanzt und der Stall für den Bock ist in der Mache. Hier hat sich ein wirklich aktiver Haufen zusammengefunden! Einsame Spitze!

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Volle Gemüsesäcke bei Korando D

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verheißungsvoll sprießende Projektbananen – ein gutes Beispiel für die two-by-two Pflanzmethode: Zuerst wird dabei ein Loch gegraben, das sowohl in Tiefe als auch im Durchmesser zwei Fuß misst. Die Hälfte der ausgehobenen Erde wird mit Dünger vermischt (z.B. Ziegenmist) und wieder zurück gekippt. Danach werden die Sprösslinge eingesetzt und das verbliebene Loch bis zum Rand mit Wasser gefüllt – fertig.

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hier entsteht das neue Zuhause für einen Ziegenbock

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Korando D

 

Abgesehen von diesen ganzen positiven Entwicklungen bereitet die besonders lange andauernde Trockenperiode den Beneficiaries wirklich Schwierigkeiten und legt die Arbeit auf den Feldern lahm. Über dieses Problem spreche ich mit dem ICIPE Vertreter Joshua und Madame Rose aus dem Lifestock Office Kisumu West. Ausschließlich dürreresistente Pflanzen und ausreichende Futtervorräte für die Trockenzeit einlagern empfehlen sie. Der Bau von Brunnen ist ziemlich teuer, weswegen diese Möglichkeit den ausbleibenden Regenfällen zu begegnen erst einmal auf den Langzeitplan für die Zukunft des Projekts geschrieben wird. Sehr begeistert sind die beiden von der Arbeit in den Gruppen und loben das Interesse, die Zuverlässigkeit und die hohe Motivation der Beneficiaries. Na wenn das nicht mal ermutigende Worte sind!

 

Die Besuche und Mitarbeit auf den Feldern im grünen Korando genieße sehr. Liebenswürdige Leute sind es, auf die ich dort treffe: sehr sehr freundlich, herzlich, aktiv und mit einem etwas makaberen Humor ausgestattet, wenn es beispielsweise um fehlende Zähne der älteren Gruppenmitglieder geht. Regelmäßig bringen sie mich mit überschwänglichen Einladungen in die eigenen Häuser und übertriebenen Geschenken in Verlegenheit. So bin ich jetzt unter anderem stolze Besitzerin von zwei traditionell kenianischen Haushaltsutensilien, einem Guard (genutzt, um Milch zu fermentieren) und einem Kalabasch (Schüssel aus halbem Kürbis).

Im Vergleich zur Stadt ist es in dieser Gegend außerdem ruhig und die Luft ist schön frisch. Kisumu ist zwar wunderbar lebendig und bunt aber auch wahnsinnig hektisch, ganz besonders der Verkehr: Unzählige Matatus (Kleinbusse) klappern, laute Musik scheppernd, überfüllt kreuz und quer über die Fahrwege, dazwischen rasende Motorradtaxis, die im Slalom um Autos, TukTuks und Fußgänger bis zu vier Personen gleichzeitig von A nach B befördern. Auch an den Staßenrändern herrscht wuselige Betriebsamkeit: Hier reihen sich quietschbunt angestrichene Buden aneinander, ausgewiesen als Pub, Haarsalon, Restaurant, Ladenlokal oder sogar Hotel. Davor bereiten einige Frauen auf kleinen Feuerchen gegrillte Maiskolben, Chapati und Mandazi zu, andere verkaufen frisches Obst und Gemüse: Tomaten, Zwiebeln, Mangos, Orangen, Avocados, Wassermelonen, Bananen und und und… ganz besonders beliebt ist Zuckerrohr – ein wahrer Hochgenuss!

 

Ein Wochenende auf dem Land

Während meines Aufenthalts regnet es übrigens heftigst in Kisumu, leider nur ein einziges Mal. Ist er auf dem Land ein wahrer Segen, verursacht der Regenguss in der Stadt jedoch das reinste Chaos. Innerhalb von einer halben Stunde sind die Straßen komplett überschwemmt und für eine sonst 20-minütige Matatufahrt brauchen wir fast zwei Stunden – vier Tage Stromausfall folgen. Wahnsinn… dieses Kenia.

Drei von den vier Tagen verbringe ich in Berlines Heimatdorf nahe Asembo westlich von Kisumu. Entspannt ist diese Zeit: Ich lerne wie ein frischer Tilapia aus dem Viktoriasee zubereitet wird, wie man Hähnchen rupft und einfach ein paar faule Tage unter der afrikanischen Äquator-Sonne verbringt. Zusammen mit Berlines jüngster Schwester Maku übernachte ich im Haus ihrer Mutter. Berline und ihre Schwestern Lilian und Dorothea, die mit ihren zwei Kindern Max und Maja ebenfalls zu Besuch ist, sind zu alt, um im Haus der Mutter zu schlafen – das sagen zumindest die Vorschriften der Luo-Tradition (die Luos bilden einen der 42 Volksstämme Kenias). Zu sechst übernachten sie also in der Hütte von Berlines Bruder, auch er verbringt dieses Wochenende in der Heimat. Als Sohn der Familie, steht ihm ein eigenes Haus auf dem Grundstück der Eltern zu. Für mich ist es manchmal etwas unverständlich, mit welchem Ernst sich die Menschen in diesem Land an, Bräuche und Traditionen halten (zumal davon einige nach meinem Verständnis Frauen verachtend sind), aber viele Vorschriften des Gesetzgebers dagegen getrost missachten. Nahezu alle Verkaufsstände in den ärmeren Stadtvierteln sind zum Beispiel illegal und eigentlich fahruntaugliche Fahrzeuge machen gefühlt 80 Prozent des Verkehrs aus. Das gehört zwar alles zum Reiz Kenias, zeugt aber, glaube ich, auf der anderen Seite von Misstrauen in den Staat und dessen Gesetze und der Machtlosigkeit der Regierung, die Situation im Land so zu verändern, dass das Zurückgreifen auf illegale Geschäfte nicht mehr überlebensnotwendig ist. Wie auch immer – diese Frage sucht wahrscheinlich grundliegend nach der komplexen, frustrierenden Antwort, die Zustand und Entstehung von Entwicklungsländern erklären soll.

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Mama Berline bereitet braunen Ugali auf dem Feuer zu – in jedem Haushalt, den ich hier besuche, gibt es genau so eine Kochstelle: drei große Steine in deren Mitte ein Feuer den Topf erhitzt

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Fischerboote am Viktoriasee

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Berlines Familie und ich

 

Abschied von den Beneficiaries

 

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Die Ziegenfamilie vereint

Zum Abschluss meiner Besuche in den Beneficiary Groups veranstalten wir auf dem Gelände der Kodiaga Prison Primary School ein Treffen mit allen Mitgliedern des Landwirtschaftprojekts. Unter dem gewaltigen Mangobaum, der auf dem Schulhof steht, werden einige Bänke aufgestellt, Berline hat eine stattliche Anzahl Softgetränke besorgt und ich steuere zwei große Marmorkuchen und Kekse bei. Ziel des Treffens ist es, allen zusammen die anstehenden Projektaktivitäten und deren Wichtigkeit zu erklären, aber vor allem, um den Beneficiaries nochmal einen ordentlichen Schub Motivation zu verpassen. Außerdem besteht hier die Möglichkeit für die Gruppen, sich untereinander auszutauschen und von den verschiedenen Fortschritten der anderen zu lernen. Nacheinander sprechen Berline, Mary, einzelne Gruppenmitglieder und schließlich ich zu den Beneficiaries. Sobald die sehnlichst erwarteten Regenfälle einsetzen, sollte auf der Gruppenfarm, aber vor allem auf dem eigenen Feld, mehr Ziegenfutter angepflanzt werden. Weitere vegetable suck-Bepflanzungen sind geplant und der Bau von fehlenden Ziegenställen steht auch an. So lauten die Ansagen von Berline und Mary. Am Beispiel von Mama Josephine aus der Gruppe Korando A wird erklärt, mit welchen lokalen Materialien am besten und schnellsten ein Stall für kommende Milchziegenzüchtungen gebaut werden kann und Mr Opogo, ebenfalls aus Korando A, fordert zur gegenseitigen Unterstützung auf. Was meine Rede betrifft, bedanke ich mich vor allem für das herzliche Willkommen. Ich berichte von meinen Beobachtungen während der Projektbesichtigungen, die natürlich überwiegend positiv waren, und lobe die Arbeit und das große Engagement der Gruppenmitglieder. Ich bin begeistert! Die Stimmung in der „Ziegenfamilie“ ist erste Sahne, beinahe euphorisch. Den Namen haben sich die Beneficiaries selbst gegeben und laut der neuen Projektmitglieder, werden sie von außen auch genauso wahrgenommen.

 

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eine stahlende Berline begrüßt die Beneficiaries

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Mr Opogo, ich und Mama Marcella – Mama Milka linst über die Schulter

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In der letzten Woche besuche ich mit Mary und Berline einen sogenannten „Baraza“ – ein ganz besonderes Erlebnis! Bei einem Baraza treffen sich Dorfälteste, die lokal verantwortlichen Chiefs des öffentlichen Dienstes und interessierte Bürger an einem zentralen Ort, um über die Probleme der Dorfgemeinschaft zu sprechen. Wir sind bei dem Treffen in Otongolo, einem Teil der Korando-Area, dabei. Auf dem Marktplatz wurden im Halbrund etwa 70 Plastikstühle aufgestellt, ausgerichtet auf den Platz des Stakeholder of Security and Governance von Kisumu Sub County, der als besonderer Gast an diesem Baraza teilnimmt. Ein bunter Haufen hat sich hier versammelt: Junge Mütter mit Kindern, Marktfrauen, die Dorfältesten, Farmer, verärgerte Väter und und und… Die Sitzplätze werden uns zugewiesen. An einen Lautsprecher, aus dem vor Beginn des Treffens noch laut African Rumba dröhnte, wird ein Mikrofon angeschlossen, die Chiefs und Regierungsvertreter werden mit Applaus begrüßt. Danach beten wir für erfolgreiche Diskussionen. Nacheinander haben die Anwesenden jetzt die Möglichkeit, über Missstände zu sprechen und gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren. Berline nutzt die Gelegenheit, stellt zuerst die Organisation SWONESU vor und berichtet dann vom Landwirtschaftsprojekt, das ja schließlich Teil dieser Gegend ist. Unerwartet soll auch ich, als „german sponsor“, etwas beitragen. Schrecklich aufgeregt spreche ich über die Erfolge des Projekts und bitte um Unterstützung der Arbeit von SWONESU. Von den folgenden Reden bekomme ich, mangels meiner Swahili-Sprachkenntnisse, leider leider nicht viel mit. Wie mir Berline und Mary erklären, sind zu diesem Baraza außergewöhnlich viele Menschen gekommen – weil der Stakeholder of Security and Governance dabei ist. Es gibt also viele Redebeiträge, aber wenig Diskussion. Wenn Mary normalerweise an einem Baraza teilnimmt, informiert sie alle Anwesenden nicht nur von ihrer Projektarbeit, sondern gibt vor allem Tipps zu Methoden in der Landwirtschaft und beantwortet diesbezüglich Fragen aus der Gemeinschaft. Die meisten Leute hier wohnen in der Nachbarschaft unserer Beneficiaries und leben allein von der Subsistenzwirtschaft. Das Know-How, das Mary in die Projekte steckt, ist also auch für sie von großem Interesse. Richtig klasse, diese Mary!!

Berline knüpft unter den Anwesenden wichtige Kontakte. Die Verbindung zu anderen Organisationen und Instanzen, wie beispielsweise dem Vetenary Office, könnte die zukünftige Arbeit von SWONESU sehr bereichern.

 

Kwaheri sana. Oriti ahinya.

Mit dem Exit Meeting des Boards endet meine Reise nach Kenia. Ich berichte von meinen Besichtigungen und teile ihnen meine Eindrücke und Ideen von bzw. zu den Projekten mit. Es war gut, in den vergangenen drei Wochen einen ehrlichen Einblick in die Arbeit dieser kleinen Organisation erhalten zu haben, das Leben in Kenia mitzuleben, und damit ganz genau berichten zu können, was mit den vielen Spendengeldern aus Deutschland passiert.

Beeindruckt bin ich, von der Projektarbeit, aber auch von den unfassbar starken Menschen, die ich getroffen habe.

Abgefüllt mit vielen Erlebnissen, um einige neue Erfahrungen und Freunde reicher und noch ganz benommen ob der Wärme und Herzlichkeit der Kenianer, geht es für mich zurück.

 

Asante kabisa! Ero kamano ahinya!

Eure Wiebke

 

 

Vorlaeufiger Abschlussbericht

Dies wird wahrscheinlich mein letzter Blogeintrag aus Kenia sein. Hier nochmal alles zusammengefasst:

 

Wir hatten 25 Ziegen als ich in Bondo ankam. Nach einem Besuch vom Doktor hab ich mir bestaetigen lassen dass alle Ziegen in einem guten Zustand sind. In der Zeit in der ich in Bondo war kamen  5 Ziegen zur Welt (3 davon sind gekreuzte, Alpines&Gala). Zudem haben wir einen Bock den wir ausgeliehen hatte zurueck. So sind wir momentan bei einem Bestand von 31 Ziegen.

Ziegenbabys

Um die Alpines, die nicht an das lokale Essen etc gewoehnt sind, vor falschem Essen sowie Krankheiten zu schuetzen, wollen wir ein Gehege direkt neben dem Stall aufbauen und die Ziegen mit speziellem Essen fuettern.

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Dieses Zero Grasing konnte jedoch noch nicht komplett fertig gestellt warden. In der Naehe vom Stall gibt es leider viele Termiten, weshalb wir den Zaun mit Zement bauen wollten. Der Zement stand uns aber leider nicht zur verfuegung, weshalb wir dies verschoben haben. Der Zaun soll aber in der naechsten Zeit fertig gestellt werden.

 

Im Moment aktualisiere ich auch die Ziegenkartei. Hierfuer habe ich von jeder Ziege ein Foto gemacht und Infos aufgeschrieben. Leider konnten wir noch nicht alle Ziegen mit Nummern versehen.

Am Feld haben wir eine Huette errichtet in der ein Waechter Platz zum schlafen hat, aber auch Werkzeug gelagert werden kann. Hausbau1

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Diese Huette haben wir auf traditionelle Weise aus Holz und Erde gebaut. Eine sehr interessante Erfahrung. Das Dach ist aus Wellblech.

Hausbau3DSC_0113HausbauDas Feld haben wir rundrum mit Aesten am Zaun bestueckt. Diese Aeste sollen wieder neue Wurzeln schlagen wenn sie in der Erde stecken. Dies ist der erste Schritt zu einem natuerlichen Zaun. Des weiteren haben wir neben Dans altem Haus eine Baumschule errichtet die von seinen Kindern gepflegt wird. Wenn die Baeume gross genug sind kommen sie dann ans Feld um den natuerlichen Zaun zu verstaerken.  Wir konnten auch mit mehreren Schulen in der Umgebung von Mbuye einen Deal machen, dass sie auch Baumschulen einrichten und wir im gegenzug mit Spenden wie den Fussballschuhen uns erkenntlich zeigen.

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Die Spenden haben wir auch schon zu grossem Teil verteilt. Ich kam mit einem Seesack voller Fussballschuhe her, die wir an 2 Schulen verteilt haben. Neue Schuhe3

Sie wurden mit grossem Dank angenommen. Vielen Dank an die Spender.Neue Schuhe2

 

Als letzten Punkt haben wir ein Treffen mit den Leuten organisiert die bereits eine Ziege bekommen hatten, bzw. noch eine bekommen sollen. Wir konnten kleinere Gruppen bilden die nun auch Zugang zu einem Ziegenbock bekommen der in Kisumu leben wird.

Zu diesen Hauptaufgaben habe ich noch viele kleinere Aufgaben erledigt, wie Zaeune bauen, Unkraut jaeten etc.. Ich wurde sehr gut von den Familien hier aufgenommen und habe viele neue Freunde kennengelernt. Ich hoffe ich kann nochmal hierherkommen. In den letzten Tagen hier werde ich noch ein bisschen durch das Land reisen. Vielen Dank an alle die meinen Blog lesen und Watoto Kabisa unterstuetzen.DSC05753

Kisumu here I am

So, nach einer langen Pause melde ich mich mal wieder.mKenia hat einen neuen Praesidenten. Uhuru Kenyatta ( ein Kikuyu) ist am Dienstag in sein Amt eingetreten. Gerademal 1 km von uns entfernt ist er in einem Stadion in sein Amt eingetreten. Da die Strassen komplett dicht gemacht wurden, haben Dan und ich uns einen schoenen Tag gemacht. Am Mittwoch wollten wir dann nach Kisumu starten, leider hatte das Auto eine Panne und wir mussten unsere Abreise um einen Tag verschieben. Am Donnerstag konnten wir endlich aufbrechen. Die Fahrt von Nairobi bis nach Kisumu hat uns den ganzen Tag gekostet. So sind wir abends um 9 erschoepft ins Bett gefallen. Am Freitag sind wir dann ins CADAMIC Office gegangen wo uns Maureen (Leiterin von CADAMIC) herzlich empfing. Wir sind daraufhin nach Kisumu in die Stadt  um Geld zu bekommen. Nachdem ich durch 10 verschiedene Banken durch bin konnte ich endlich Geld abheben (Fuer alle mit einer Mastercard: CFC STANBIC BANK ist anscheinend die einzige Bank in Kenia die Kreditkarten von Mastercard nimmt). Am Abend haben wir uns mit dem Vorsitzenden der Kisumu Pfadfinder getroffen um mit ihm ueber die Zusammenarbeit zwischen Pfadfinder und CADAMIC zu reden. Daraufhin wurden wir auf eins der aktuellen Lager eingeladen. Dieses sind wir dann auch Samstag besuchen gegangen. Hier fand ein Treffen aller Vorsitzenden der verschiedenen Distrikte statt. Montag wollen wir Kisumu bereits wieder verlassen und weiter nach Bondo fahren, wo das eigentliche WATOTO KABISA Projekt auf mich wartet.

Das erste Fruestueck in Kisumu Das Wetter hier ist richtig Angenehm. Es ist tagsueber nicht zu heiss und nachts nicht zu kalt. Auch sind sehr wenige Moskitos unterwegs (sehr zu meinem Wohlgefallen ). Das naechste mal melde ich mich wahrscheinlich aus Bondo.

Pfadfinder in Kisumu

Angekommen :)

So, besser spaet als nie. Ich bin wohlbehalten und ohne Probleme in Kenia gelandet. Hier wurde ich am Nairobi flughafen von Dan O. abgeholt. Ich hatte bei meinem Flug die Zeitverschiebung vergessen, weshalb ich eine Stunde frueher da war als geplant. So konnte ich mir noch in Ruhe den Flughafen anschauen. Nach einer kurzen Fahrt bin ich dann bei Dans Haus angekommen wo ich den Rest des Tages den verpassten Schlaf nachgeholt habe. Das Wetter ist leider nicht so klasse momentan regnet es in Stroemen aber das legt sich auch wieder 🙂 Um 9 kam dann auch Dan an und ich erhielt endlich Internet 😀 Ich kam leider noch nicht dazu mir eine Sim karte zu kaufen weshalb ich mich auch erst so spaet melde. Morgen werde ich mit Dan menen Aufenthalt hier in Kenia planen. Bis dahin noch eine schoene Nacht

Alex in Kenia

Also,… Hallo erstmal. Ich weiß ja nicht ob ihr es schon wusstet, aber ich, der Alex, fliege heute für 6 Wochen nach Kenia. Ich habe mein Abitur und wollte so schnell wie möglich die weite Welt erleben. Und wiso nicht auch was gutes dabei tun? Also hab ich kurzerhand beschlossen in das wunderschöne Afrika, um genauer zu sein nach Kenia, zu fliegen. Ich war bereits 2011  in der Fahrtengruppe und mir hat das Land aber auch das was CADAMIC tut sehr gefallen. Also kommt noch zu meiner Reise nach Kenia eine Fülle an Aufgaben hinzu 😀 Ich freu mich schon und melde mich wieder sobald ich gelandet bin.

Goats are green?

Sind Ziegen grün? Nein, natürlich nicht!
Aber krank sind sie. Zumindest ein paar von ihnen.

Aus diesem Grund war während unseres Aufenthalts im Dorf der Ziegendoktor zu besuch. Kranke Tiere wurden untersucht und behandelt. Allesamt wurden geimpft.
Besonders die Tse Tse Fliege macht der Farm momentan schwer zu schaffen. Seit Davids letztem Besuch sind weitere Tiere gestorben. Gerade Ziegen die nicht in näherer Umgebung geboren und über den Viehmarkt zugekauft wurden, sind lokalen Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Auch entsprechende Medizin kann nur selten helfen.

Im Dorf geborene Tiere kamen weit aus besser davon. Ohne Probleme haben sie sich den Gegebenheiten angepasst und auf natürliche Weise Abwehrstoffe gebildet. Zwar bieten diese auch keinen einhundertprozentige Schutz, aber immerhin kommen sie besser davon, als die Markttiere.

Wegen des Ziegenrückgangs wurde in Rücksprache mit dem Cadamic Office beschlossen, vorerst keine weiteren Farmziegen auszugeben. Schließlich braucht man erst mal viele gesunde Tiere um im großen Stil welche auszugeben. Da die Tiere in den Familien aber benötigt werden, kauften wir fünf Ziegen auf dem Markt um sie Begünstigen in weniger Tse Tse Fliegen belasteten Gebieten zukommen zu lassen.

Am frühen Morgen ging es dann auf den Ziegen und Ochsen Markt um besagte fünf Tiere zu kaufen. Am Nachmittag hatte Berlin vom Cadamic Office einen Termin zur Übergabe ausgemacht. Es galt, die Tiere zu verladen und nach Kisumu zu bringen. Die Begünstigten trafen nach und nach ein und am Ende gingen alle glücklich mit ihrer eigenen Ziege nach Hause.

Es folgen Bilder der Ziegen und Begünstigten.

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Flo