Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

20 deutsche Pfadfinder im kenianischen Knast!

Nach dem entspannten Tag gestern fuhren wir heute morgen nach dem Frühstück mit unserem Bus zu den Landwirtschaftsprojekten, die von WONESU gefördert werden. Seltsamerweise liegen vier von fünf dieser Beneficiary- Groups auf dem Gelände eines Gefängnisses. Unser Weg zu den Projektgruppen führt uns also vorbei an Feldern, auf_MHB0229 denen Häftlinge in ihren gestreiften Overalls arbeiten. Am Tor der Gruppe Korando A wurden wir schon erwartet und mit Gesang und Tanz sehr herzlich empfangen. Uns wurde erklärt, dass die Gruppe nicht nur Ziegen sondern mittlerweile auch Geflügel züchtet und neben Bananen und Kartoffeln auch sehr viele andere Lebensmittel und das Futter für die Ziegen anpflanzt werden. Nach einer Führung über die Ländereien der Gruppe wurden wir auf ein großzügiges Mittagessen eingeladen und konnten außerdem den Porridge probieren, der täglich an den von WONESU und Watoto Kabisa unterstützen Schulen als Mittagessen ausgegeben wird. Nachdem wir uns für das Essen und die Einblicke in das Projekt bedankt hatten, stiegen wir wieder in unseren Bus, verließen das Gefängnisgelände und fuhren zur ersten Projektschule.

Kaum war unser Bus auf das Gelände der Schule gefahren, wurden wir auch schon von unzähligen S_MHB0273chulkindern in gelben Schuluniformen umringt und mit begeisterten „Muzungu, how are you?!“-Rufen begrüßt. Eine Pfadfinderin der Schule berichtet uns über die Probleme, mit denen Pfadfinder in Kenia zu kämpfen haben. Vielen fehlt das Geld für eine Kluft, die für eine Mitgliedschaft bei den Pfadfindern aber unbedingt nötig ist. Außerdem fehlt es an Zeltmaterial.

Auch die Schulleiterin berichtete uns etwas über die Schule und vor allem über die Probleme vieler Mädchen, die sich aus Geldmangel oft keine Binden oder andere Hygieneartikel leisten können, sodass sie jeden Monat für ein paar Tage nicht zur Schule erscheinen. Auch für dieses Problem versucht WONESU im Moment noch eine Lösung zu finden.

Nach diesen Neuigkeiten stürzten wir uns in die Kindermenge, sangen Lieder und spielten mit Luftballons. Die glücklichen Kinder zu sehen, die sich über jedes Händeschütteln und jeden noch so kleinen Ballon ungeheuer freuten, war mit Sicherheit das schönste, was wir bis jetzt auf dieser Reise erleben durften.

Nach dieser unglaublichen Erfahrung fuhren wir mit unserem Bus zum Büro von WONESU und legten eine kleine Mittagspause ein, um uns vor dem Besuch einer weiteren Schule noch ein bisschen auszuruhen.

_MHB0370In dieser Schule wurden wir vom stellvertretenden Direktor empfangen, der uns ebenfalls ein paar interessante Dinge über die Schule erzählte. Auch hier berichteten ein Pfadfinder und eine Pfadfinderin über die Geldprobleme für Zelte und Uniformen. Leider stellte sich heraus, dass das Problem der fehlenden Binden teilweise so stark ist, dass sich viele Mädchen schon sehr jung prostituieren, um Geld für Hygieneartikel und Lebensmittel zu bekommen. Schon von dieser Nachricht geschockt wurde uns dann noch auf sehr unpassende Art deutlich gemacht, dass das Geld in vielen Familien auch für eine ordentliche Schuluniform kaum reicht. Drei Jungs, die bis dahin still und etwas bedrückt auf einer kleinen Schulbank an der Wand des Raumes gesessen hatten, wurden aufgefordert aufzustehen. An den dreien wurde erklärt, wo genau das Geld fehlt. Es wurde auf die kaputten Pullis, die durchgelaufenen Schuhe und die löchrigen Hosen hingewiesen. Dass den Jungs das ganze sehr unangenehm und peinlich war, war ihnen leicht anzusehen._MHB0409

Diese Demütigung brachte uns auf der einen Seite zum Nachdenken, schockierte uns aber mindestens doppelt so viel. Auch die folgenden Spiele mit den andern Kindern konnten uns die unangenehmen Bilder der niedergeschlagenen Schüler kaum aus den Gedanken treiben.

Nachdem sich die meisten Kinder auf den Heimweg gemacht hatten, machten auch wir uns auf zum Büro von WONESU. Diesmal aber aber nicht mit dem Bus, sondern zu Fuß durch den Slum. Die Anblicke, die sich uns hier boten, waren sehr unangenehm, da man die Rolle des „weißen Touristen“, der sich das Elend anderer anschauen will, kaum los wird. Zusammen mit einigen Schulkindern, die teilweise barfuß durch die vielen Pfützen aus Abwässern liefen, durchquerten wir den Slum bis zum Büro von WONESU und machten uns mit unserem pinken Glitzerbus wieder auf zu Berlins Wohnung. Dieser Tag, der sehr schön und positiv mit vielen glücklichen Kindern und gut laufenden Projekten begonnen hatte und mit sehr vielen gemischten Gefühlen endete, war bis jetzt der Tag, der uns am Meisten zum Nachdenken gebracht hat.

Julius

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