Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Von Löwen, Schlaglöchern und Raketen

Logbuch, 29.09.2017
The long and scheise road

Für Heute stand nur die Busfahrt von Naivasha in die Massai Mara an. Titus warnte uns schon vor der Fahrt: „This will be very scheise road!“. Das war sie auch. Je weiter wir in Richtung Massai Mara fuhren, um so schlechter wurde die Straße. Irgendwann hörte der Asphalt auf und weiter ging es auf staubigen Straßen, welche immer unregelmäßiger und hubbeliger wurden. Zum Teil gab es zwei Straßen parallel, auf welchen unser Busfahrer George nach eigenem Ermessen wechselte. Eine holprige Angelegenheit. Gefühlt hat jeder von uns 13.000 tausend Herzanfälle.
Gegen 12 Uhr hielten wir in Narok. Dort aßen wir zum ersten mal richtig kenianisch zu Mittag. Nach ein paar Einkäufen ging es weiter, auf ins Nirgendwo.
Irgendwann hielten wir nochmal um uns etwas zu trinken zu kaufen. Ziemlich schnell wurden wir aus sicherem Abstand von mehreren Kindern beobachtet. Winkend und lachend, aber dennoch schüchtern, kamen sie langsam näher. Bis der Kleinste von ihnen sich traute und zu Jonas lief, um ihm ein High Five zu geben. Grinsend lief er wieder zu den anderen. Jetzt trauten sich fast alle. Die die sich nicht trauten, wurden von dem kleinen, mutigen Jungen zu uns geschubst. So viel Spaß es auch machte, es ging weiter auf den schmalen, hubbeligen Straßen in Richtung Massai Mara.
Es wurde wieder etwas abenteuerlich, dennoch vertrauten wir unserem Fahrer noch nicht so ganz. Vor allem dann nicht, wenn man die Hügel und „Abgründe“ neben dem Weg sah. Doch erstaunlicherweise kamen wir gut an unserem Ziel an.
Das Camp war unglaublich schön und wir wurden herzlich von den Massai empfangen. Wir bauten unsere Zelte auf, aßen noch ein wenig und setzten uns in eine Hütte ans Feuer zu einer ruhigen Singerunde. Meine erste seit langem. Wunderbar.

IMG_3787Logbuch, 30.09.2017
Bis nach Tansania und zurück

Gestern Abend hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir um 5:30 Uhr aufstehen, damit wir den Sonnenaufgang in dem Nationalpark schauen konnten. Aufstehen und pünktlich im Bus sein klappte auch, allerdings gestaltete sich das Ausparken mit unserem Bus etwas schwierig und so mussten wir auf den Sonnenaufgang in der Savanne verzichten. Stattdessen musste unser Massai- Guide, Jonathan, die Äste rund um unseren Bus abhacken, damit dieser Wenden konnte. Nachdem dies geschafft war, ging es los zum Gate des Nationalparks Massai Mara.
Der ganze Tag war geprägt von einer herrlich fesselnden Landschaft, mit ihrer unglaublichen Vielfalt an Tieren. Unser Ziel für heute:IMG_4428.JPG Alle afrikanischen Big Five sehen.
Wir haben wahrscheinlich alles gesehen, was die Massai Mara zu bieten hatte. Zebras, Giraffen, Antilopen, Wasserbüffel, Gnus, Elefanten, Hippos, Paviane, Löwen, Erdmännchen, Warzenschweine, Aasgeier, Hyänen und sogar ein Krokodil und einen Leoparden. Fast hatten wir also alles gesehen, doch die Big Five hatten wir noch nicht voll. Büffel, Elefant, Löwen, Leopard, nur das Nashorn fehlte uns noch. Doch so sehr wir auch darauf hofften, dieses Tier blieb uns heute verwehrt.
Überall in der Landschaft lagen Reste von Tierskeletten. Teils sogar am Stück, teils ein einzelner Schädel, an welchem man erkennen konnte, welches Tier hier gefressen wurde.
Für uns sehr erschreckend: Die vielen Touristenbusse, welche ähnlich wie die Aasgeier, die Tiere umkreisten um möglichst die besten Foto zu machen. Noch erschreckender, dass wir uns zwischenzeitlich genau so verhielten, nur eben mit kleineren Kameras. Auf der anderen Seite tat es auch mal richtig gut, einfach nur Tourist zu sein.
Im Nachhinein viel uns auf, dass wir uns alle an das Wackeln und Holpern im Bus gewöhnt hatten, nur noch in ganz, ganz arger Schräglage kam es zu entsetzten Blicken und kurzem Luftanhalten, bis der Bus wieder gerade war.
So langsam füllt sich mein Kopf mit all diesen unglaublichen Eindrücken. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel ich in so kurzer Zeit aufnehmen kann, jeden Tag andere Eindrücke und Erlebnisse.

 

Logbuch, 01.10.2017
Gedanken am Straßenrand

Wieder stand heute eine lange Busfahrt an. Dieses Mal von der Massai Mara nach Kisumu. Los ging es nach Frühstück mit Tee in unserem LKW bis nach Narok, wo wir schon vor zwei Tagen eine Pause gemacht haben. Den ersten Teil der Fahrt verschlief ich zum Großteil. In Narok aßen wir wieder zu Mittag und tauschten anschließend den riesigen Bus gegen unsere kleine rosa Rakete aus Nairobi.
Ungewohnt eng und kuschelig war es in diesem Busse. Da war der LKW, auch wenn die Fahrt in ihm etwas wacklig war, komfortabler gewesen. Nachdem alles so gut es ging verstaut war, ging es auf in Richtung Kisumu. Wann wir ankommen würden stand noch in den Sternen. Titus meinte in 2-3 Stunden, David eher so 6-7. Wir ließen uns überraschen.
Nachdem ich wieder fast eingeschlafen war, aber immer wieder aufwachte, gab es für mich etwas Musik auf die Ohren. Noch so ein Luxus, welcher für die meisten Kenianer wahrscheinlich unvorstellbar ist. Einfach mal so unterwegs die Lieblingsmusik hören, um etwas abzuschalten.
Ich liebe Busreisen. Auch wenn es eng und sehr warm war, finde ich es wunderbar, diese tollen verschiedenen Landschaften wahrnehmen zu können. Auf der Fahrt konnten wir deutlich die Veränderungen in der kenianischen Landschaft wahrnehmen. Aus der Gegend um das trockene Rift Valley bis ins grüne Land um Kisumu.
Doch egal wo wir waren, eins war überall gleich. Die meisten Menschen schauten unserer pinken Rakete überrascht und etwas erstaunt nach. Kleine Jungs unterbrachen ihr Fußballspiel, ältere hielten mit ihren Mofas an. Unauffällig reisen ist wirklich etwas Anderes.

In einer Pause staunen wir darüber, wie schnell das Wasser auf den Steinen verdunstete, nur wenige Sekunden braucht es. In der nächsten Pause regnet es so stark, dass das Wasser nicht in die Erde einsickern kann.
Am Straßenrand war die ganze Fahrt über viel zu sehen. Menschen, die ihrer alltäglichen Arbeit nachgingen. Sie verkauften Obst und Gemüse, trieben Kühe vor sich her, ließen ihre Schafe weiden, führten ihre beladenen Esel vor sich her oder saßen einfach nur am Straßenrand und warteten auf irgendetwas oder irgendwen.
Je näher wir Kisumu kamen, desto weniger regnete es, bis es schließlich aufhörte.
In meinen Ohren sang gerade Farin Urlaub von den Ärzten: „Die Sonne scheint, als hätte sie van Gogh gemalt und auf dem Asphalt steht die Luft…“, ich musste lächeln und fühlte mich gerade sehr glücklich. Irgendwie passte es sehr.
Die Landschaft war mittlerweile sehr grün. Dann kamen wir an. Am Rande von Kisumu wurden wir mit einem unglaublichen Sonnenuntergang empfangen. Er tauchte die Gegend in ein rosa-rotes Licht. Ein bisschen so, als hätte die Sonne über Kisumu den Himmel extra zum Leuchten gebracht, um uns so Willkommen zu heißen. Gegen 20 Uhr kamen wir im Dunkel in Kisumu-Stadt an. Auf den Straßen war noch viel los und wieder waren alle Augen auf unsere, mittlerweile rot leuchtende und blinkenden Rakete gerichtet. Berline empfängt uns mit ihrem Team von Wonesu unglaublich herzlich bei sich zu Hause. Das ganze Team hatte für uns gekocht. Überwältigend, was sie alles gezaubert hatten. Fisch, Fleisch, Ugali (ungewürzter Maisbrei), Reis, Kohl, Linsen…
Zum Nachtisch gab es Früchte, der Unterschied zu denen in Deutschland verblüffte mich sehr. Alles schmeckte so viel frischer und fruchtiger.
Alle waren nach der langen Fahrt unglaublich müde. Berline bat an, dass wir alle bei ihr übernachten könnten. Wir waren froh, heute Abend nicht noch die Zelte aufbauen zu müssen und vor allem, nach der langen Fahrt, nicht mehr in den Bus zu müssen. Es war zwar eng, aber es passte. Einige schliefen drinnen, andere draußen, aber alle in Mückennetzen.IMG_4987

Liebste Grüße in die Heimat

Rieke

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: