Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Neues aus Kenia!

Hallo, ich bin Wiebke.

Die letzten drei Wochen habe ich in Kenia verbracht und die unterstützten Projekte von Watoto Kabisa besucht. Währendessen habe aufgeschrieben, was es so zu sehen gab. Ganz schön viel – vor allem ganz schön viel neues!

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Finanziell unterstützt wurde meine Reise, und somit natürlich auch die weitere Arbeit im Förderverein Watoto kabisa!, von der Stiftung Pfadfinden. Vielen vielen herzlichen Dank dafür!!!

 

 

 

 

Karibu Kenya!

Schnellstraßen überquerende Zebras, klapprige Fahrzeuge, staubig- verrauchte Luft und dazu afrikanisches Trommelgedudel – Wie schön! Ich bin angekommen im nächtlichen Nairobi, sitze jetzt völlig übermüdet im Auto des freundlichen Tabu, der mich vom Flughafen zu seinem Haus transportiert. Hier werde ich die erste Nacht meines drei-wöchigen Aufenthalts in Kenia verbringen.

Seit diesem Jahr ist Tabu Chairman im Board von SWONESU. SWONESU? -Ja, „SEME WORLD NETWORK FOR SUSTAINABLE CHANGE“ heißt die regierungsunabhängige Organisation, Nachfolger von CADAMIC, die die von uns geförderten Projekte in Kisumu betreut und vorantreibt. Das Board wurde Anfang des Jahres im Zuge der Neuregistrierung von SWONESU zusammengestellt. Bestehend aus sieben erfahrenen Mitgliedern aus unterschiedlichen Berufsfeldern wie zum Beispiel der Landwirtschaft, Buchhaltung, Journalismus und der Arbeit in NGOs steht es der Organisation mit Rat und Tat zur Seite.

Es ist wirklich viel Zeit vergangen, seit ein Watoto Kabisa-Volunteer zum letzten Mal von den Fortschritten und Veränderungen der Projektarbeit  berichtet hat.

Vor allem unser Ziegenprojekt hat sich im Laufe der letzten Jahre ganz schön gewandelt. Angefangen hatte alles mit der Idee, einzelnen Familien mit einer Ziege als Startkapital die Möglichkeit zu verschaffen, eine eigene Ziegenfarm aufzubauen. Der Verkauf von Milch und Ziegen, sollte den Kindern der Familie finanziell den Besuch einer Schule ermöglichen. In dem Dorf Mbuye wurden die Projektziegen gehalten und von dort aus an die bedürftigen Familien verteilt. Es hat sich allerdings gezeigt, dass eine Familie allein kaum in der Lage ist eine nachhaltig wirtschaftende Milchziegenfarm aufzubauen.

Nach dem Vorbild des sehr erfolgreichen Ziegenprojekts in Sidindi wurde das Projekt also umstrukturiert, sodass jetzt nicht mehr einzelne Familien, sondern Gruppen von rund 10 Familien gemeinsam Ziegen halten, also auch deren Futter anbauen und für anfallende Tierarztkosten und Medikamente (vor allem gegen die Tsetse-Fliege) aufkommen. Dieses Konzept hat sich auch in unser Arbeit als sehr erfolgreich erwiesen: 50 Familien sind mittlerweile Mitglied in einer der fünf Beneficiary Gruppen! Aus dem letzten Bericht von SWONESU ging hervor, dass sich die Arbeit in den Gruppen nicht mehr allein auf das Halten von Ziegen beschränkt (der aufwendige Anbau von Ziegenfutter und das Bauen von Ställen mit inbegriffen), sondern mittlerweile sogar Obst und Gemüse gemeinschaftlich angepflanzt werden. Ich bin also sehr gespannt was mich bei meinem Besuch in Kenia erwartet.

 

Nach einer kurzen Nacht, einem schnellen White-Bread-Blue-Band Frühstück und Fotoshooting mit Tabus aufgeregten Kindern, zwei herausgeputzten African Ladys und Muzungu geht es für Tabu und mich auch schon wieder los in Richtung Kisumu. Nairobi ist zu dieser frühen Morgenstunde noch fürchterlich kalt, durch die Nebelschwaden lässt sich das Panorama auf weite Teeplantagen, das sich von der Anhöhe im Westen Nairobis aus bietet, nur erahnen.

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Verzweifeltes Augenoffenhalten beim morgendlichen Fotoshooting mit zwei von Tabus Kindern

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Blick ins Great Rift Valley auf dem Weg nach Nairobi

Kisumu erreichen wir gegen Mittag. Die strahlende Berline empfängt uns zusammen mit dem kompletten SWONESU Staff in ihrer Wohnung. Hier werde ich während meines Aufenthalts wohnen. Ein Wahnsinnsbüffet hat sie vorbereitet, mit dabei selbstverständlich ein riesiger Klotz UGALI – ob ich den vermisst habe?…. AHHH, geht so. Jedenfalls habe ich hier die Möglichkeit die Neubesetzung der Organisation ein wenig kennenzulernen. Das hauptamtlich arbeitende Team besteht aus Berline (Projekt Managerin, Mentorship for adolescent girls in Kudho und Manyatta Arab Primary Schools), Christine (verantwortlich für Nursery Art in Kudho und Manyatta Arab Primary Schools), Eva (Accountant), Nicholas (Mentorship for adolescent Boys in Kudho und Manyatta Arab Primary Schools) und – besonders spannend für uns: Mary. Mary ist allein für das Landwirtschaftsprojekt zuständig, verbringt somit nahezu 100% ihrer Arbeitszeit in den Projektgruppen, um sie professionell anzuleiten und zu unterstützen. Mit ihr zusammen werde ich in den kommenden Wochen alle fünf Ziegengruppen besuchen.

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Foto mit dem Staff von SWONESU (leider ohne Christine): von links nach rechts stehen da the german visitor, Nick, Eva, Mary und Berline

 

Unterwegs in den Schulen

Nachdem ich im Introduction Meeting das Board von SWONESU kennengelernt habe, geht es jetzt endlich los mit Schulbesuchen, Gesprächen und Besichtigungen. Zuerst sind die Primary Schools Ogango, Kudho und Manyatta Arab an der Reihe. Alle Schulen bereiten täglich Porridge zu, dessen Zutaten monatlich von unseren Fördergeldern gespendet werden. Für einige der Schüler ist diese Schulspeisung die einzige Mahlzeit am Tag.

Die Ogango Primary School liegt in Berlines Nachbarschaft und so erreichen wir die Schule zu Fuß und nicht mit den üblichen Verkehrsmitteln wie Matatu oder Motorrad. Das Wohngebiet Ogango ist eines der ärmsten Kisumus. Winzige Blechbehausungen, massenweise Müll auf den roten Staubwegen, herumstreunende, parasitenzerfressene Hunde und dazwischen spielende Kleinkinder bestimmen hier die Szenerie, alles untermalt von dem Geruch nach verbranntem Plastik und Abgasen.

In der Schule treffen wir auf Josephine, die Schulleiterin. Sie gibt einen Einblick in die Lebenssituation ihrer Schüler. Etwa die Hälfte von ihnen sind Voll- oder zumindest Halbwaisen; Die meisten der verstorbenen Eltern sind Aids zum Opfer gefallen. Vergewaltigung, Prostitution und Drogenmissbrauch gehören hier zu den Alltagsthemen. Ein Mentorship Programm, das die Probleme der Jugendlichen behandelt und bereits an der Kudho und der Manyatta Arab Primary School angeboten wird, wäre also auch hier von großer Wichtigkeit. Ganz furchtbar bestürzend, frustrierend und verärgernd sind die Geschichten aus dem Leben der Schulkinder. Hier wird ganz klar, was existenzbedrohliche Armut alles anrichtet: sie raubt jeglichen Sinn für die Zukunft, führt zu Kriminalität, Gewalt, Geiz und Egoismus, Korruption und Ignoranz. Es lässt mich zumindest ein bisschen verstehen, weshalb die ärmsten der Armen beispielsweise die meisten Kinder haben und gibt einen der Gründe an, weshalb sie mental überhaupt nicht in der Lage sind aus eigener Kraft etwas an ihrer Situation zu ändern – lähmend ist sie, die totale Mittellosigkeit.

Durch die Schulspeisungen konnten immerhin ein paar Probleme der Schule angegangen werden: Schüler können sich mit etwas nahrhaftem im Bauch wesentlich besser konzentrieren, folglich haben sich auch die Leistungen der versorgten Kinder deutlich verbessert. Für manche ist der morgendliche Porridge sogar die einzige Motivation überhaupt regelmäßig zum Unterricht zu erscheinen. Im August konnten außerdem 25 Schuluniformen von Watoto Kabisa Spenden für besonders bedürftige Ogango-Schüler angefertigt werden.

Nach unserem Gespräch werden Berline und ich über das Schulgelände geführt. Auch hier fehlt an allen Ecken und Enden das Geld. Als Klassenräume dienen dunkle, einsturzgefährdete Baracken und für die annähernd 700 Schüler gibt es gerade mal 12 Toiletten.

 

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Achtklässlerinnen aus Ogango

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Ogango Schüler

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Berline mit einem Jungen, der nach Schulmaterial gefragt hat

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Unterricht in einsturzgefährdeten Räumen

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Toilettenhaus

 

Die Kudho Primary School ist im größten Slum Kisumus gelegen, dem Obunga Slum. Sie ist mit knapp 1000 Schülern etwas größer als die Ogango Primary School, unterscheidet sich aber hinsichtlich der Räumlichkeiten und dem Hintergrund der Schüler kaum von ihr. Auch in dieser Schule treffen wir die Schulleiterin, die übrigens Mitglied im SWONESU Board ist. Sehr beeindruckt bin ich von ihr! Trouphena ist eine super starke, herzliche und offene Frau, die voller Wärme und Fürsorge hinter ihren Schülern steht. Außerdem hat sie viele Ideen was die Projektarbeit in der Schule angeht. Sie plant, einen Teil des Schulgeländes als Feld zu nutzen, auf dem in Zukunft Mais und Bohnen für die Schüler angebaut werden sollen. So könnten nachhaltig und unabhängig von Spendengeldern Schulspeisungen angeboten werden. Eine super Sache, wie ich finde!! Sollte das Konzept einer Schulfarm aufgehen, wäre eine nachhaltige, spendenunabhängige Lösung des Hungerproblems in der Schule geschaffen.

In der Kudho Primary School findet abgesehen vom School feeding noch ein anderes Projekt SWONESUs statt: Adolescence Mentorship. Nicholas und Berline sind dafür verantwortlich. Sie treffen sich regelmäßig im Rahmen einer freiwilligen AG mit den Mädels (Knit and Chat Club) und Jungs (Kick and Chat Club) der Schule. In einer lockeren Atmosphäre werden hier Alltagsprobleme und Zukunftspläne der Kinder und Jugendlichen besprochen. Beim Besuch des Kick and Chat Clubs der 9 bis 12-jährigen wird mir noch einmal  die Lebenssituation dieser Jungen bewusst. Nicholas spricht mit ihnen über das Thema Drogen – sie wissen Bescheid, alles wissen sie. Drogenmissbrauch ist in den Familien und im näheren Umfeld allgegenwärtig.

Trouphena befürwortet das Mentorship Programm sehr, sie meint allerdings, dass vor allem die Schulabgänger in der 8. Klasse mehr Unterstützung brauchen.  Nur die allerwenigsten von ihnen werden nach der Primary School die Schulbildung in der Secondary School fortsetzen können, zu hoch sind die Schulgebühren und zu groß die Verantwortung für die Familie, die einige Jugendliche durch Armut oder Schicksalsschläge bereits zu tragen haben. Dieser überwiegende Teil ist jetzt, in diesen jungen Jahren, ohne weiterführende Ausbildung, ganz besonders gefährdet, in den Abgrund der Armut abzurutschen. Ein Programm, das gewisse Fertigkeiten wie nähen, Fahrzeuge reparieren oder Haare frisieren schult und Anleitung zum Aufbau eines eigenen Geschäfts vermittelt, würde hier wahrscheinlich sehr helfen. Leider ist ein Angebot in solch einem Umfang momentan nicht umzusetzen.

Außer im Bereich der Landwirtschaft, da hat SWONESU ja sehr wohl Ressourcen, um den Schülern zumindest ein mögliches Geschäftsmodell vorzustellen: Berline wird das bei der nächsten Gelegenheit mit dem Schulpersonal besprechen. Auch in diesem Sinne ein weiterer Pluspunkt für die Schulfarm: vielleicht könnte sie ja als Ausbildungsstätte dienen…

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Vorschulkinder Kudho Primary

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Quatschkopf und Uji (mein allerliebstes Lieblingsbild)

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Uji Time – Schulspeisung in der Kudho Vorschule

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Das Gebäude der Manyatta Arab Primary School wurde vor einiger Zeit von einer deutschen Organisation erbaut und ist wirklich sehr schick und modern. Der Schein trügt allerdings, auch hier gehören die Schüler zu den ärmsten Familien des Landes.

Der Schulleiter Mr Abdul ist wie Trouphena eine wahnsinnig aufmerksame, freundliche und witzige Persönlichkeit. Auch er sprüht förmlich vor Energie und Ideen zur Verbesserung der Zukunftsaussichten seiner Schüler. Ihm liegt besonders die Förderung junger Fußballtalente am Herzen.

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Schüler aus Manyatta Arab

Mit Mr Faraji, der die Pfadfindergruppe der Schule leitet, spreche ich auch. Anders als in Deutschland findet Pfadfinderei in Kenia in Form eines Schulclubs statt. Er berichtet von der fallenden Mitgliederzahl der Gruppe. Chancen auf einen Preis bei einem der lokalen Pfadfinderwettbewerbe habe seine Gruppe nicht mehr und mehrtägige Ausflüge seien auch nicht möglich. Schuld an dieser Misere: fehlende Zeltausrüstung, zerschlissene und zu klein gewordene Kluften – seine Schüler schämten sich deswegen. Er bittet um erneute Unterstützung vom Förderverein. Die Pfadfinder der Manyatta Arab Primary School haben vor fünf Jahren von Watoto Kabisa Spenden in Form von acht Kluften erhalten, aus denen die Kinder im Laufe der Zeit heraus gewachsen sind, oder der Stoff zu abgenutzt ist, um die Kleidung noch tragen zu können.

Eine erneute Spendenaktion? Eine Tauschaktion? Mal sehen… ein paar Ideen habe ich schon, wie an dieser Stelle nochmal geholfen werden könnte.

Die Kodiaga Prison Primary School, die ich allerdings erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt besuche, empfängt auch die täglichen Schulspeisungen. Von den 700 Schülern können jedoch nur 500 versorgt werden. Wie der Schulleiter berichtet, ist die Gesamtpopulation der Schule in den letzten Jahren gesunken, die Zahl der mittellosen Kinder jedoch gestiegen: Während viele Schüler auf neu entstandene Primary Schools im Umkreis wechseln, weckt die Grundschule in Kodiaga auf Grund der Schulspeisungen immer mehr das Interesse der besonders armen Familien. Es fällt also zunehmend schwer, die bedürftigen Schüler für die geringe Menge an Porridge auszuwählen. Der riesige Schulhof würde aber genug Platz für eine Schulfarm bieten. HA! Super! Umzusetzen allerdings nur mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Wieso? Schuld ist die merkwürdige Lage der Schule. Wie der Name schon sagt befindet sie sich auf dem Gefängnisgelände des Kodiaga Prison. In diesem Gebiet, zwischen den Unterkünften der Gefangenen, gefängniseigenen Ackerflächen und Stacheldrahtzäunen, liegt nicht nur die öffentliche Primary School, sondern hier leben ganz normale Familien und auch einige der Landwirtschaftsprojektmitglieder. Verantwortlich für die Sicherheit auf dem Schulgrundstück ist somit das Gefängnispersonal. Vielleicht lässt sich über diese Verbindung ja ein Wachposten und eine Umzäunung der Schulfarm finanzieren.

Von den insgesamt 50 gespendeten Schuluniformen ging übrigens die zweite Hälfte an 25 Schüler der Kodiaga Primary School.

 

In den drei Vorschulklassen von Manyatta Arab und Kudho Primary School, der ECDE section (early childhood development education), nehme ich an einigen von Christines Nursery Art Lessons teil. Im Grunde sind das einfache Bastel-, Mal- und Spielstunden, für die Klassen aber immer ein Highlight – mit Spielzeug und Buntstiften kommen die Kinder ansonsten nämlich nicht in Kontakt. Im Gegensatz zur Primary Section ist der Besuch der ECDE Klassen nicht kostenlos, was den Eltern der Vorschulkinder große Probleme bereitet. 300 KSH werden hier im Monat zur Bezahlung der Lehrkräfte und der Beschaffung von Schulspeisungen verlangt, hinzukommen Ausgaben für Schulmaterial und Uniform. Schulspeisungen wurden, abgesehen von unserem Programm, bislang noch nicht gestellt, wobei die Schulen ab diesem September alle vier Monate vier Säcke Reis vom County Government für die ECDE Klassen erhalten sollen. Viel Vertrauen setzen die Lehrer allerdings nicht diese Initiative – zu korrupt sei der ganze Politapparat.

 

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Nursery Art in der Kudho Primary School

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Christine mit Kindern

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Nursery Art in der Manyatta Arab Primary School

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Abgesehen von den ganzen beklemmenden und frustrierenden Eindrücken bin ich gerne in den Grundschulen unterwegs. Hier begegne ich nämlich vor allem wahnsinnig aufgeregt kichernden Kindern, die fasziniert beobachten, wie Flecken auf meiner Hand entstehen, wenn das Blut unter der Haut weggedrückt wird. Hände schütteln, lachen, quietschen und diese seltsamen Haare  anfassen (sind die tatsächlich echt?) ist dann angesagt. Weiße Menschen kennen die meisten nur aus dem Fernsehen oder von Werbeplakaten.

Dieses ganze Angestarre auf der Straße und die permanenten „MUZUNGU! How are you?“- Zurufe, die mich jeden Tag begleiten, kann ich deswegen ganz gut nachvollziehen. Die allermeisten sind auch sehr nett gemeint. Ab und zu würde ich mich aber trotzdem gerne verstecken. Meine helle Haut steht hier für Reichtum und hindert mich manchmal daran, ganz normal, wie jeder andere auch, mit Fremden Gespräche zu führen, Matatu zu fahren oder einfach am Straßenrand entlang zu gehen. Unfrei macht sie mich, und abhängig von den Kenianern, die ich begleite.

Spannend ist es, wenn zwei so verschiedene Kulturen aufeinander treffen und interessant zu erfahren, wie die Vorstellungen von meinem Leben in Deutschland sind. So sind einige Kenianer sehr erstaunt, dass ich banale Fähigkeiten wie spülen und Tee kochen besitze. Naja, die amerikanischen Soaps, die hier fast in Dauerschleife im Fernsehen gezeigt werden, und die vom scheinbar normalen Leben in einem Industriestaat erzählen, handeln meistens von hysterischen, superreichen Anzugträgern, die fette Autos besitzen, in Wolkenkratzerbüros arbeiten und modern ausgestattete Riesenvillen bewohnen.

Von lifestock und crop production

Im Laufe meiner Keniareise besuche ich der Reihe nach alle fünf Gruppen des Landwirtschaftprojekts (Korando A, B1, B2, C & D), benannt nach der ländlichen Gegend Korando im Westen Kisumus. Skurrile Felsanordnungen und kleine Ackerrechtecke prägen diese Hügelgegend. Schön ist es hier –  frischgrün und sehr idyllisch! Mitglieder der Gruppen sind hauptsächlich verwitwete, alleinstehende Mütter oder Großmütter, die es besonders schwer haben den Lebensunterhalt ihrer Familien und die anfallenden Schulkosten der Kinder zu finanzieren. Trotz der abgeschafften Schulgebühren in Primary Schools, fehlen einige Schüler immer wieder im Unterricht, weil sie sich Uniform und Schulbücher nicht leisten können.

Die meisten Beneficiarys leben in Lehmhütten ohne Strom und fließendem Wasser. Zu diesem traditionellen Bild, das die Hütten in dieser Gegend abgeben, bildet so manche Inneneinrichtung einen fast witzigen Kontrast: Fußballposter von Manchester United neben kitschigen Christusdarstellungen, amerikanischen Alphabet-Lernplakaten und Bildern von puttenartig stilisierten Babygesichtern inmitten einer Landschaft aus Spitzendeckchen und Plüschtieren.

Zunächst bin ich etwas enttäuscht, als ich von den Entwicklungen der Ziegenhaltung erfahre: Selbstgebaute Ställe, die im letzten Jahr schon standen, mussten auf Grund von Fehlkonstruktionen abgerissen werden, eine Ziege ist an Überfütterung gestorben und andere wurden verkauft – zu groß war die Geldnot der Besitzer. Einige der Ziegenverkäufer haben daraufhin das Projekt verlassen und wurden durch neue Mitglieder ersetzt, andere mussten als Entschädigung selbst eine Projektziege besorgen, sobald sie finanziell dazu in der Lage waren. Im letzten Jahr war außerdem noch kein spezieller Posten für das Landwirtschaftsprojekt in der Organisation eingerichtet, somit konnten die Beneficiaries nicht in dem Umfang und mit dem Wissen betreut werden, wie Mary es jetzt gerade tut. Erst seit fünf Monaten unterstützt sie die Projektarbeit, und für diesen kurzen Zeitraum hat sich doch eine ordentliche Menge getan, wie ich finde!

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Rosemary (Korando A), selbstgebauter Ziegenstall und Ziege namens Rachel, mit der Rosemary ihre verstorbene Projektziege ersetzt hat

Korando A, die ich als erstes besuche, sind die am weitesten fortgeschrittene Gruppe, was die Ziegenzucht betrifft. Im April wurde hier der reinrassige Milchziegenbock „Mitsch-Mandela“  an Chairman Mr. Opogo vergeben. Vier Nachkommen hat er bereits gezeugt und fünf weitere Projektziegen sind trächtig… Was ein Kerl!

Bevor für die Beneficiaries ein reinrassiger Toggenburg Bock angeschafft wird, müssen einige  Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehören zum Beispiel der ausreichende Anbau von Ziegenfutter, ein fachgerechter Stall, regelmäßige Treffen, um Ziegen zu entwurmen und mit Antipestiziden einzusprühen, und eine zuverlässige Dokumentation der Gruppenaktivitäten.

Die wichtigsten Kriterien für einen geeigneten Ziegenbock-Stall:

  1. Stabilität, um dem zerstörerischen Imponiergehabe der Böcke standzuhalten
  2. ein erhöhter Boden – verhindert, dass der gute Herr in seinen Hinterlassenschaften steht. Diese fallen nämlich durch die Lücken zwischen den Planken der Plattform auf die Erde und können als Dünger benutzt werden. Außerdem schützt das Stelzenhaus vor Ungeziefer.

 

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Mama Magdalene (Korando A) mit eingesprühtem Toggenburg Buck Mitsch Mandela

 

Neben diesem Ziegenprojekt ist in letzter Zeit aber noch einiges mehr in den Gruppen passiert!

Dank der Zusammenarbeit mit dem Lifestock Office Kisumu West und der Organisation ICIPE (international centre of insects, physiology and ecology) hat mittlerweile jedes Projektmitglied einen eigenen Küchengarten angelegt, in dem das Gemüse für den Eigenbedarf angebaut werden kann. Momentan macht das trockene Wetter den Leuten allerdings einen Strich durch die Rechnung: seit Mai hat es hier nicht mehr richtig geregnet, dementsprechend mau ist die Ausbeute in den kleinen Gärten.

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vor Hühnern geschützter Küchengarten von Mama Josephine (Korando A), links: Mr Opogo

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Mrs Opogo, Mama Marcella und Mr Opogo (Korando A) können trotz ausbleibender Regenfälle Süßkartoffeln ernten

Vor ein paar Wochen hat Mary ein weiteres Bepflanzungsprojekt gestartet, das „vegetable suck planting“. Dabei wird ein alter großer Plastiksack am Boden aufgeschnitten und mit Erde befüllt, die dann durch die Sacköffnung und kleine Löcher rundherum bepflanzt wird. Diese Methode spart nicht nur Platz, sondern vor allem Wasser. Das Ergebnis kann sich trotz des trockenen Wetters absolut sehen lassen!!! Super einfach und super effektiv!

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Josephine mit ihrem überquellenden vegetable suck

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Mittagessen für Mama Josephines Projektziege – natürlich gibt’s nur ziegengeeignete Pflanzen zu futtern (hier: Caliandra)

Korando A hat aber noch andere Pläne: Momentan sammelt die Gruppe Baumaterial für eine Hühnerfarm. Mit dieser Hühnerfarm soll neben der Ziegenzucht und dem Anbau von Obst und Gemüse ein weiteres Standbein entstehen. Eine wunderbare Eigeninitiative, die zeigt, wie erfolgreich das Landwirtschaftsprojekt schon ist und mit welch hoher Motivation die Mitglieder bei der Sache sind. Auch wenn es mit der Ziegenzucht tatsächlich erst mal nur schleppend voran gegangen ist, hat sich die Arbeit in und mit den Gruppen sehr verändert. Wurde das Projekt anfänglich von SWONESU oder uns vorgegeben und angeleitet, so wird es jetzt vielmehr betreut und unterstützt, Neuerungen werden zunehmend von den Beneficiaries selbst vorgenommen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist außerdem die neue Group Farm der Gruppe Korando B1, eine Idee von Mitglied Mr. Lumumba. Auf dieser Gruppenfarm finden vor allem Ausbildungseinheiten zu verschiedenen Anbautechniken statt. Die Futter- und Gemüsepflanzen, die hier wachsen, werden als Saatgut-Quelle für die Beneficiaries genutzt. Eine großartige Idee, mit der die hohen Ausgaben für Pflanzensamen vermieden werden können und ein weiterer Schritt Richtung Unabhängigkeit von SWONESU und Spendengeldern. Mit Hilfe von ICIPE wurden auf der Group Farm bereits dürreresistente Futterpflanzen wie Greenleaf Desmodiam, südafrikanisches Nappiergras und einigen Süßkartoffelsorten angebaut. Mittlerweile haben auch die anderen vier Projektgruppen Group Farms oder zumindest ein Gelände ausgewählt, auf dem diese entstehen soll.  Mr. Lumumba ist übrigens ausgebildeter Farmer, der sehr begeistert vor einigen Monaten mit seiner Familie in das Landwirtschaftsprojekt eingestiegen ist. Ein wahrer Motivator und zugleich Vorbild für die Gruppenmitglieder.

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Arbeit auf der Gruppenfarm von Korando B1 – Hier wird gezeigt, wie das dürreresistente, grünblättrige Desmodiam (Ziegenfutter) am besten angepflanzt wird (von vorne nach hinten: Mama Grace, Mama Rose, Beatrice und Mary)

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aus einem alten Moskitonetz schneidet Mary Schnüre, mit denen die Pflanzen gestützt werden

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ein Teil der B1 Gruppenfarm – im Hintergrund wächst üppig dürreresistentes Nappiergras aus Südafrika (Futterpflanze)

Bei meinen Besuchen zeigen mir die Beneficiaries außerdem, was mit den kleinen Bananensprösslingen passiert ist, die letztes Jahr von einem Ausbildungsseminar im Vorzeigeprojekt in Sidindi mitgebracht und auf die Projektgruppen verteilt wurden. Stattliche Bananenstauden sind inzwischen daraus entstanden und aus den ursprünglich insgesamt 9 Pflanzen sind 22 geworden. Die Früchte einer Bananenstaude werden für 700 bis 1000 KSH (ca. 7-10€) verkauft – eine gute Einkommensquelle, besonders hier in dieser tropischen Klimazone, in der zweimal im Jahr geerntet wird.

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Projektbananen von Korando B1

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Mr Lumumba präsentiert eine stattliche Bananenernte

 

Korando B1 und B2 haben noch keinen Ziegenbock empfangen. Aufgrund der Logistik und der geringeren Zahl an Gruppenmitgliedern werden sich die beiden Beneficiary Groups einen Bock teilen, sobald ein geeigneter Stall steht.

 

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die Gruppe Korando B2 (leider nicht ganz vollständig)

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Bananen wachsen auch in der Gruppe B2 – und was für welche!

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Arbeit auf der Gruppenfarm – hier werden Kartoffelpflanzen von Unkraut befreit

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eine freundliche B2 Projektziege sagt: „Jambo!“ – frisch mit Antipestiziden eingesprüht geht es ihr richtig gut

Korando C hat schon im letzten Dezember einen Toggenburg Bock erhalten. Einen Nachkommen hat er gezeugt und fünf weitere Projektziegen geschwängert. Auch in dieser Gruppe läuft, was Küchengärten und Gruppenfarm betrifft, alles rund.

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Korando C vor einem super duper Ziegenstall für „Christoph“

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gegen Fliegen, Mücken und Zecken gewappneter Toggenburg Bock Christoph

 

Die Gruppe Korando D wurde erst vor fünf Monaten gegründet. Projektziegen gibt es unter den Neulingen noch keine, das Anlegen der Küchengärten, der Gruppenfarm und den vegetable sucks funktioniert aber prächtig! Ziegenfutter wurde auch schon einiges gepflanzt und der Stall für den Bock ist in der Mache. Hier hat sich ein wirklich aktiver Haufen zusammengefunden! Einsame Spitze!

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Volle Gemüsesäcke bei Korando D

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verheißungsvoll sprießende Projektbananen – ein gutes Beispiel für die two-by-two Pflanzmethode: Zuerst wird dabei ein Loch gegraben, das sowohl in Tiefe als auch im Durchmesser zwei Fuß misst. Die Hälfte der ausgehobenen Erde wird mit Dünger vermischt (z.B. Ziegenmist) und wieder zurück gekippt. Danach werden die Sprösslinge eingesetzt und das verbliebene Loch bis zum Rand mit Wasser gefüllt – fertig.

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hier entsteht das neue Zuhause für einen Ziegenbock

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Korando D

 

Abgesehen von diesen ganzen positiven Entwicklungen bereitet die besonders lange andauernde Trockenperiode den Beneficiaries wirklich Schwierigkeiten und legt die Arbeit auf den Feldern lahm. Über dieses Problem spreche ich mit dem ICIPE Vertreter Joshua und Madame Rose aus dem Lifestock Office Kisumu West. Ausschließlich dürreresistente Pflanzen und ausreichende Futtervorräte für die Trockenzeit einlagern empfehlen sie. Der Bau von Brunnen ist ziemlich teuer, weswegen diese Möglichkeit den ausbleibenden Regenfällen zu begegnen erst einmal auf den Langzeitplan für die Zukunft des Projekts geschrieben wird. Sehr begeistert sind die beiden von der Arbeit in den Gruppen und loben das Interesse, die Zuverlässigkeit und die hohe Motivation der Beneficiaries. Na wenn das nicht mal ermutigende Worte sind!

 

Die Besuche und Mitarbeit auf den Feldern im grünen Korando genieße sehr. Liebenswürdige Leute sind es, auf die ich dort treffe: sehr sehr freundlich, herzlich, aktiv und mit einem etwas makaberen Humor ausgestattet, wenn es beispielsweise um fehlende Zähne der älteren Gruppenmitglieder geht. Regelmäßig bringen sie mich mit überschwänglichen Einladungen in die eigenen Häuser und übertriebenen Geschenken in Verlegenheit. So bin ich jetzt unter anderem stolze Besitzerin von zwei traditionell kenianischen Haushaltsutensilien, einem Guard (genutzt, um Milch zu fermentieren) und einem Kalabasch (Schüssel aus halbem Kürbis).

Im Vergleich zur Stadt ist es in dieser Gegend außerdem ruhig und die Luft ist schön frisch. Kisumu ist zwar wunderbar lebendig und bunt aber auch wahnsinnig hektisch, ganz besonders der Verkehr: Unzählige Matatus (Kleinbusse) klappern, laute Musik scheppernd, überfüllt kreuz und quer über die Fahrwege, dazwischen rasende Motorradtaxis, die im Slalom um Autos, TukTuks und Fußgänger bis zu vier Personen gleichzeitig von A nach B befördern. Auch an den Staßenrändern herrscht wuselige Betriebsamkeit: Hier reihen sich quietschbunt angestrichene Buden aneinander, ausgewiesen als Pub, Haarsalon, Restaurant, Ladenlokal oder sogar Hotel. Davor bereiten einige Frauen auf kleinen Feuerchen gegrillte Maiskolben, Chapati und Mandazi zu, andere verkaufen frisches Obst und Gemüse: Tomaten, Zwiebeln, Mangos, Orangen, Avocados, Wassermelonen, Bananen und und und… ganz besonders beliebt ist Zuckerrohr – ein wahrer Hochgenuss!

 

Ein Wochenende auf dem Land

Während meines Aufenthalts regnet es übrigens heftigst in Kisumu, leider nur ein einziges Mal. Ist er auf dem Land ein wahrer Segen, verursacht der Regenguss in der Stadt jedoch das reinste Chaos. Innerhalb von einer halben Stunde sind die Straßen komplett überschwemmt und für eine sonst 20-minütige Matatufahrt brauchen wir fast zwei Stunden – vier Tage Stromausfall folgen. Wahnsinn… dieses Kenia.

Drei von den vier Tagen verbringe ich in Berlines Heimatdorf nahe Asembo westlich von Kisumu. Entspannt ist diese Zeit: Ich lerne wie ein frischer Tilapia aus dem Viktoriasee zubereitet wird, wie man Hähnchen rupft und einfach ein paar faule Tage unter der afrikanischen Äquator-Sonne verbringt. Zusammen mit Berlines jüngster Schwester Maku übernachte ich im Haus ihrer Mutter. Berline und ihre Schwestern Lilian und Dorothea, die mit ihren zwei Kindern Max und Maja ebenfalls zu Besuch ist, sind zu alt, um im Haus der Mutter zu schlafen – das sagen zumindest die Vorschriften der Luo-Tradition (die Luos bilden einen der 42 Volksstämme Kenias). Zu sechst übernachten sie also in der Hütte von Berlines Bruder, auch er verbringt dieses Wochenende in der Heimat. Als Sohn der Familie, steht ihm ein eigenes Haus auf dem Grundstück der Eltern zu. Für mich ist es manchmal etwas unverständlich, mit welchem Ernst sich die Menschen in diesem Land an, Bräuche und Traditionen halten (zumal davon einige nach meinem Verständnis Frauen verachtend sind), aber viele Vorschriften des Gesetzgebers dagegen getrost missachten. Nahezu alle Verkaufsstände in den ärmeren Stadtvierteln sind zum Beispiel illegal und eigentlich fahruntaugliche Fahrzeuge machen gefühlt 80 Prozent des Verkehrs aus. Das gehört zwar alles zum Reiz Kenias, zeugt aber, glaube ich, auf der anderen Seite von Misstrauen in den Staat und dessen Gesetze und der Machtlosigkeit der Regierung, die Situation im Land so zu verändern, dass das Zurückgreifen auf illegale Geschäfte nicht mehr überlebensnotwendig ist. Wie auch immer – diese Frage sucht wahrscheinlich grundliegend nach der komplexen, frustrierenden Antwort, die Zustand und Entstehung von Entwicklungsländern erklären soll.

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Mama Berline bereitet braunen Ugali auf dem Feuer zu – in jedem Haushalt, den ich hier besuche, gibt es genau so eine Kochstelle: drei große Steine in deren Mitte ein Feuer den Topf erhitzt

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Fischerboote am Viktoriasee

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Berlines Familie und ich

 

Abschied von den Beneficiaries

 

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Die Ziegenfamilie vereint

Zum Abschluss meiner Besuche in den Beneficiary Groups veranstalten wir auf dem Gelände der Kodiaga Prison Primary School ein Treffen mit allen Mitgliedern des Landwirtschaftprojekts. Unter dem gewaltigen Mangobaum, der auf dem Schulhof steht, werden einige Bänke aufgestellt, Berline hat eine stattliche Anzahl Softgetränke besorgt und ich steuere zwei große Marmorkuchen und Kekse bei. Ziel des Treffens ist es, allen zusammen die anstehenden Projektaktivitäten und deren Wichtigkeit zu erklären, aber vor allem, um den Beneficiaries nochmal einen ordentlichen Schub Motivation zu verpassen. Außerdem besteht hier die Möglichkeit für die Gruppen, sich untereinander auszutauschen und von den verschiedenen Fortschritten der anderen zu lernen. Nacheinander sprechen Berline, Mary, einzelne Gruppenmitglieder und schließlich ich zu den Beneficiaries. Sobald die sehnlichst erwarteten Regenfälle einsetzen, sollte auf der Gruppenfarm, aber vor allem auf dem eigenen Feld, mehr Ziegenfutter angepflanzt werden. Weitere vegetable suck-Bepflanzungen sind geplant und der Bau von fehlenden Ziegenställen steht auch an. So lauten die Ansagen von Berline und Mary. Am Beispiel von Mama Josephine aus der Gruppe Korando A wird erklärt, mit welchen lokalen Materialien am besten und schnellsten ein Stall für kommende Milchziegenzüchtungen gebaut werden kann und Mr Opogo, ebenfalls aus Korando A, fordert zur gegenseitigen Unterstützung auf. Was meine Rede betrifft, bedanke ich mich vor allem für das herzliche Willkommen. Ich berichte von meinen Beobachtungen während der Projektbesichtigungen, die natürlich überwiegend positiv waren, und lobe die Arbeit und das große Engagement der Gruppenmitglieder. Ich bin begeistert! Die Stimmung in der „Ziegenfamilie“ ist erste Sahne, beinahe euphorisch. Den Namen haben sich die Beneficiaries selbst gegeben und laut der neuen Projektmitglieder, werden sie von außen auch genauso wahrgenommen.

 

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eine stahlende Berline begrüßt die Beneficiaries

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Mr Opogo, ich und Mama Marcella – Mama Milka linst über die Schulter

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In der letzten Woche besuche ich mit Mary und Berline einen sogenannten „Baraza“ – ein ganz besonderes Erlebnis! Bei einem Baraza treffen sich Dorfälteste, die lokal verantwortlichen Chiefs des öffentlichen Dienstes und interessierte Bürger an einem zentralen Ort, um über die Probleme der Dorfgemeinschaft zu sprechen. Wir sind bei dem Treffen in Otongolo, einem Teil der Korando-Area, dabei. Auf dem Marktplatz wurden im Halbrund etwa 70 Plastikstühle aufgestellt, ausgerichtet auf den Platz des Stakeholder of Security and Governance von Kisumu Sub County, der als besonderer Gast an diesem Baraza teilnimmt. Ein bunter Haufen hat sich hier versammelt: Junge Mütter mit Kindern, Marktfrauen, die Dorfältesten, Farmer, verärgerte Väter und und und… Die Sitzplätze werden uns zugewiesen. An einen Lautsprecher, aus dem vor Beginn des Treffens noch laut African Rumba dröhnte, wird ein Mikrofon angeschlossen, die Chiefs und Regierungsvertreter werden mit Applaus begrüßt. Danach beten wir für erfolgreiche Diskussionen. Nacheinander haben die Anwesenden jetzt die Möglichkeit, über Missstände zu sprechen und gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren. Berline nutzt die Gelegenheit, stellt zuerst die Organisation SWONESU vor und berichtet dann vom Landwirtschaftsprojekt, das ja schließlich Teil dieser Gegend ist. Unerwartet soll auch ich, als „german sponsor“, etwas beitragen. Schrecklich aufgeregt spreche ich über die Erfolge des Projekts und bitte um Unterstützung der Arbeit von SWONESU. Von den folgenden Reden bekomme ich, mangels meiner Swahili-Sprachkenntnisse, leider leider nicht viel mit. Wie mir Berline und Mary erklären, sind zu diesem Baraza außergewöhnlich viele Menschen gekommen – weil der Stakeholder of Security and Governance dabei ist. Es gibt also viele Redebeiträge, aber wenig Diskussion. Wenn Mary normalerweise an einem Baraza teilnimmt, informiert sie alle Anwesenden nicht nur von ihrer Projektarbeit, sondern gibt vor allem Tipps zu Methoden in der Landwirtschaft und beantwortet diesbezüglich Fragen aus der Gemeinschaft. Die meisten Leute hier wohnen in der Nachbarschaft unserer Beneficiaries und leben allein von der Subsistenzwirtschaft. Das Know-How, das Mary in die Projekte steckt, ist also auch für sie von großem Interesse. Richtig klasse, diese Mary!!

Berline knüpft unter den Anwesenden wichtige Kontakte. Die Verbindung zu anderen Organisationen und Instanzen, wie beispielsweise dem Vetenary Office, könnte die zukünftige Arbeit von SWONESU sehr bereichern.

 

Kwaheri sana. Oriti ahinya.

Mit dem Exit Meeting des Boards endet meine Reise nach Kenia. Ich berichte von meinen Besichtigungen und teile ihnen meine Eindrücke und Ideen von bzw. zu den Projekten mit. Es war gut, in den vergangenen drei Wochen einen ehrlichen Einblick in die Arbeit dieser kleinen Organisation erhalten zu haben, das Leben in Kenia mitzuleben, und damit ganz genau berichten zu können, was mit den vielen Spendengeldern aus Deutschland passiert.

Beeindruckt bin ich, von der Projektarbeit, aber auch von den unfassbar starken Menschen, die ich getroffen habe.

Abgefüllt mit vielen Erlebnissen, um einige neue Erfahrungen und Freunde reicher und noch ganz benommen ob der Wärme und Herzlichkeit der Kenianer, geht es für mich zurück.

 

Asante kabisa! Ero kamano ahinya!

Eure Wiebke

 

 

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