Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Ziegenfarming

[Die nächsten Zeilen drehen sich um Ziegenzucht und sind nur für interessierte gedacht; Ich will niemanden damit langweilen. Wer sich also nicht ganz so arg für Ziegen interessiert kann getrost auf den nächsten Blogeintrag warten.]

— Einige Gedanken und Infos zum Ziegenprojekt von Watoto Kabisa —

Wie ich schon früher geschrieben habe, hat uns der Erflolg der Geschenkaktion und die daraus resultierende Menge an Geschenke sehr gefreut. Gleichzeitig haben wir aber unser Projekt überdacht und uns entschieden die Vergabe von Ziegen noch nachhaltiger zu machen.

Bisher haben wir Ziegen auf dem lokalen Ziegenmarkt gekauft und diese dann an an ausgesuchte Familien weitergegeben. Die Empfänger einer Ziege wurden vom Team von CADAMIC zusammen mit den Lehrern der betroffenen Schulen ausgesucht. Meist sind die Kinder Halb- oder Vollwaisen, die unter ärmlichsten Bedingungen in den Slums um Kisumu leben. Dieser Ansatz hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt.

Zwei Monate nach Vergabe der ersten Ziegen haben Maureen und Berlin Nachfolgebesuche bei allen Familien gemacht, um zu sehen, wie es der Familie und der Ziege geht. Von den 23 Ziegen waren 20 noch am leben. Zwei waren eines natürlichen Todes gestorben, eine wurde leider „verloren“, was im Klartext wahrscheinlich gestohlen heißt. Dass die Ziegen die Weihnachtsfesttage überlebt haben, zeigt wohl auch mit wieviel Ernst die Familien bei der Sache sind.

Vier der Ziegen hatten bereits Junge geboren, mehrere weitere sind momentan schwanger. Für die Familien in den Slums heisst der Besitz einer Ziege einen echten Zugewinn an Lebensqualität, auch wenn wir wissen, dass es sehr viele Bereiche gibt, in denen die Familien Hilfe gebrauchen könnten. Die Ziege ist oft genug auch nur ein Tropfen. Wenn sie es aber schaffen, erfolgreiche ein Zicklein zu züchten, kann dieses zum Beispiel später für den Gegenwert von 2 Monatsmieten weiterverkauft werden. Daneben kann die Ziege auch gemolken werden, wenn sie ein Junges hat. Ziegenmilch ist sehr nähstoffreich und kann für relativ viel Geld auch auf dem Markt verkauft werden.

Da die lokalen Ziegen aber recht kleinwüchsig sind, haben wir uns entschieden, unsere eigene kleine Ziegenzucht, betrieben von Freunden vor Ort anzulegen. So können wir die lokalen weiblichen Ziegen mit reinrasigen Milchziegenböcken kreuzen. Unser Ziel ist es dann gekreuzte Ziegen an die Familien weiterzugeben, die dann mehr Milch geben. Außerdem ist es nachhaltiger die Ziegen selbst zu züchten, als sehr viele, oft nicht sehr hochwertige Ziegen auf dem kleinen lokale Markt zu kaufen. Darüber hinaus würden wir den lokalen Markt langfristig zerstören, wenn wir die Mengen an Ziegen, die bis jetzt gespendet wurden, alle dort kaufen würden – die Preise würden explodieren, da die Käufer schnell wüssten, dass die Weißen wieder Ziegen kaufen wollen und die ansässigen Farmer könnten sich keine Ziegen mehr leisten.

Dazu arbeiten wir nun mit dem kenianischen Ministerium für Agrikultur, dem Kenyan Agricultural Research Institute (KARI) und einem befreundeten studierten Ziegenzüchter, Dolla Nyaphiedo, der Erfahrung aus vielen Ziegenprojekten mit unterschiedlichsten NGOs mitbringt, zusammen.

Heute haben Maureen, Berlin und ich verschiedene Milchziegenprojekte angeschaut und mit Fachleuten bei KARI gesprochen.

Der Plan für die Zukunft ist nun lokale Ziegen mit reinrassigen Böcken in unserem eigenen kleinen Projekt in Bondo zu kreuzen. In Bondo besitzt Dans Familie Land, dass sie uns für das Projekt zur Verfügung stellen können.Dazu werden wir für alle Empfänger einer Ziege verpflichtende Workshops in Ziegenfarming duchführen, auf denen die Familien das Knowhow der Ziegenhaltung erlernen können. Die Teilnahme an diesen Workshops wird Pflicht sein, um eine Ziege zu erhalten. Weiterhin wird jeder Familie die erste Ziege nur als Darlehen ausgegeben; die erste junge Ziege kommt zurück ins Projekt und wird an eine weitere Familie weitergegeben. Alle weiteren Ziegen gehören dann der Familie.  Dadurch hoffen wir noch mehr Anreiz zu schaffen, gewissenhaft mitzuarbeiten und für das Wohl der Ziegen zu sorgen.
Morgen besuchen wir ein Projekt in Sidindi, bei dem eine Frauengruppe Milchziegen hält und durch den Verkauf der Milch ihre Lebensumstände erheblich verbessern konnte. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

( So sieht übrigens ein Ziegenstall aus, in dem die reinrassigen Milchziegen gehalten werden – diese geben dann bis zu 5 Liter Milch am Tag, die für etwa 1,20 Euro/Liter weiterverkauft oder zur Nahrungsergänzung genutzt werden kann. Auch unsere Kreuzungen aus reinrassigen Böcken mit lokalen Ziegen können bis zu 3 Liter Milch am Tag geben, brauchen dazu aber keinen Stall und kein Zusatzfutter, wie reinrassige Ziegen dies erfordern.)

Hier sieht man eine offensichtlich schwangere“local goat“.

Dies ist eine F2 German Alpine/African Goat Kreuzung. Also eine zweite Kreuzung in zweiter Generation zwischen German Alpine und lokalen Ziegen. Wenn wir solch wunderschöne Ziegen an die von CADAMIC betreuten Kinder und Familien weitergeben können, bin ich mir sicher, dass wir es geschafft haben, nachhaltig etwas in diesen Familien zu verbessern.

Beste Grüße,

Mitsch aus Kisumu

PS: allen Menschen, die sich noch mehr mit Ziegen beschäftigen wollen, sei diese Seite ans Herz gelegt: http://www.smallstock.info/breeds/goats.htm

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