Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Monatsarchive: Februar 2012

Was sonst noch so diese Woche passiert ist…

Diese Woche war bestimmt von vielen Fieldtrips, Schulbesuchen, Recherche, Treffen mit Ziegenexperten, Fahrten im Tuk Tuk mit Ziege zwischen den Beinen und einer Menge anderer Dinge.

Am Mittwoch war ich zum Beispiel an der Manyatta Arab, einer Grundschule direkt im Slum von Kisumu. Die Schüler sind zu etwa 70% Muslims. Diese Schule wird im Moment von der deutschen KfW neu gebaut. Wo früher dürftig zusammengeschusterte Blechhütten standen und einige Klassen unter den Bäumen unterrichtet wurden, werden bald nigelnagelneue zweistöckige Schulgebäude stehen. Die Not der Kids wird dies leider nur indirekt lindern. CADAMIC gibt auch weiterhin dort Uji (Porridge) als Schulspeisung aus. Da sich noch nicht mal alle Kids einen Becher leisten können, werde ich der Schule am Montag zusammen mit den Fussballtrikots, die die FV Olympia Ramstein durch Jochen Weidig schickt, auch 150 Plastikbecher mitbringen. Dann kann wirklich jedes Kind an der Schulspeisung teilnehmen.

In diesen Hütten werden die Kinder im Moment unterrichtet. Der Schulleiter von Manyatta Arab, Mr. Abdul hat mich nachhaltig beeindruckt. Selten habe ich einen Schulleiter, noch dazu in Kenya, getroffen, der sich so rühren um das Wohl seiner Schüler kümmert. Als wir ihn zuletzt beucht haben, hat er pesönlich zwei seiner Kids Becher aus der Küche besorgt, damit sie auch an der Schulspeisung teilnehmen können. Dabei ist sein Umgang super freundlich und jedes Kind freut sich ihn zu sehen.

Hier bin ich grade an der Kasarani Nursery, einem Kindergarten ganz um die Ecke. Der Blechschuppen ist das Klassenzimmer für bis zu 90 Kinder, die in 4 verschiedenen Alersstufen unterrichtet werden. CADAMIC arbeitet eng mit der Kasarany Nursery zusammen, unter anderem duch Ausgabe von Schulmaterial und Schulspeisung. Mich begrüßen die Kinder hier grade mit einem Gedicht.

In der Nähe der Kasarani Nursery wohnen auch die Mbwaos. Salome und ihre Brüder Barack und John wohnen in dieser Hütte mit ihrem Vater und ihrer Mutter. Auch diese Familie hat im Oktober eine Ziege (weiß, hinter meinem Bein…) erhalten. Im Moment sieht es so aus, als ob sie schwanger ist.

Wenn ich dann abends irgendwann ins Bett gehe, sieht es vor meinem Zimmer (ich schlafe im Büro von CADAMIC) so aus:

Inzwischen habe ich auch schon meine ersten Bekannten in den Buden und Ständen in der Nachbarschaft gemacht. Der lokale Barbier Sam hat mir heute sogar noch nicht mal mehr den Mzungu Preis (also 100% Aufschlag), sondern den, den die Locals für eine Kopfrasur zahlen, in Rechnung gestellt. Für 50 Shilling sieht man auch sofort wieder zivilisierter aus….

Lassa Salama,

Mitsch

Besuch beim Ziegenprojekt der Frauengruppe in Sidindi

Es ist sehr schön zu sehen, wie erfolgreich ein Milchziegenprojekt verlaufen kann!

Heute haben wir eine Women’s Group in Sidindi, nördlich von Kisumu besucht. Die Frauen dort haben die letzten 5 Jahre an einem von der NGO Heifer International durchgeführten Milchziegenprogramm teilgenommen.

Um Teil des Projekts zu sein mussten die Mitglieder eine Gruppe gründen und einen Vorsitzenden wählen. Dann mussten alle Mitglieder an Workshops zu Ziegenhaltung teilnehmen, ein kleines Feld mit Ziegen futter anlegen und einen Stall für ihre Ziegen bauen. Alle Familien, die diese Vorraussetzungen erfüllen konnten, erhielten dann eine Ziege, die eine Kreuzung aus lokalen Ziegen und einem reinrassigen Saanen Bock war.

Dazu erhielt die Gruppe einen reinrassigen Bock, der die Ziegen der Gruppe reihum bedienen durfte. Die Ziegen, die drasu entstanden, mussten an ein Mitglied der Gruppe weitergegeben werden, das bis dato noch keine Ziege hatte. Die zweite Ziege durfte die Familie behalten, die dritte wurde verkauft und der GEwinn ging in die Gruppenkasse, als Rücklage für Notfälle. Alle weiteren Ziegen gingen im Wechsel in den Besitz der Familie und den Besitz der Gruppe über.

Die Milch der Ziegen wird hauptsächlich für kleine Kinder und Kranke und Alte genutzt, da sie nachgewiesenermaßen bekömmlicher und reichhaltiger als Kuhmilch ist. Überschüssige Milch wird entweder an bedürftige Kinder im Dorf verteilt oder verkauft. Der Dünger der Ziegen bringt den Frauen reichere Ernten auf ihren Feldern, als sie dies vorher hatten.

Dazu generiert der Verkauf der Ziegen für die Familien ein echtes Einkommen. Die Vorsitzende der Gruppe konnte sich durch den Verkauf einer reinrassigen Ziege ihr Haus bauen, in dem sie uns empfing! Bei einem Spaziergang durchs Dorf konnten wir in sehr vielen Haushalten Milchziegen antreffen, die einen nachhaltige Veränderung im Leben der dortigen Bevölkerung bewirkt hat.

Die Erfahrungen, die Berline, Maureen und ich heute gesammelt haben bestärkt uns weiter in unserem Plan, ab jetzt gekreuzte Ziegen, die mehr Milch geben, an bedürftige Familien auszugeben.

Auch wenn die Familien in den Slums nicht die Möglichkeit haben werden auf Anhieb mit reinrassigen Milchziegen zu hantieren, da sie zum Beispiel nur über wenig oder kein Land verfügen, so können die simpleren, gekreuzten Ziegen dort auf den Wiesen und in den Büschen dennoch genug Nahrung finden, um die Familie mit etwas Milch zu versorgen.

Wenn dies nur 2 Tassen am Tag sind, und nicht die 5 Liter, die eine „echte“ Milchziege gibt, so hat dies dennoch eine Verbesserung der Nahrungssituation der Familie und damit eine Verbesserung der Lebensumstände zur Folge.

[Auf diesem Bild sind nicht nur 4 Ziegen versteckt. Dazu liegt hier auch die Antwort, wo denn eigentlich Bananen, Ananas und Papayas wachsen!]

 

Ich bin gespannt, was die nächsten Tage für weitere Erkenntnisse bringen!

Erokamano,

Mitsch

Ziegenfarming

[Die nächsten Zeilen drehen sich um Ziegenzucht und sind nur für interessierte gedacht; Ich will niemanden damit langweilen. Wer sich also nicht ganz so arg für Ziegen interessiert kann getrost auf den nächsten Blogeintrag warten.]

— Einige Gedanken und Infos zum Ziegenprojekt von Watoto Kabisa —

Wie ich schon früher geschrieben habe, hat uns der Erflolg der Geschenkaktion und die daraus resultierende Menge an Geschenke sehr gefreut. Gleichzeitig haben wir aber unser Projekt überdacht und uns entschieden die Vergabe von Ziegen noch nachhaltiger zu machen.

Bisher haben wir Ziegen auf dem lokalen Ziegenmarkt gekauft und diese dann an an ausgesuchte Familien weitergegeben. Die Empfänger einer Ziege wurden vom Team von CADAMIC zusammen mit den Lehrern der betroffenen Schulen ausgesucht. Meist sind die Kinder Halb- oder Vollwaisen, die unter ärmlichsten Bedingungen in den Slums um Kisumu leben. Dieser Ansatz hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt.

Zwei Monate nach Vergabe der ersten Ziegen haben Maureen und Berlin Nachfolgebesuche bei allen Familien gemacht, um zu sehen, wie es der Familie und der Ziege geht. Von den 23 Ziegen waren 20 noch am leben. Zwei waren eines natürlichen Todes gestorben, eine wurde leider „verloren“, was im Klartext wahrscheinlich gestohlen heißt. Dass die Ziegen die Weihnachtsfesttage überlebt haben, zeigt wohl auch mit wieviel Ernst die Familien bei der Sache sind.

Vier der Ziegen hatten bereits Junge geboren, mehrere weitere sind momentan schwanger. Für die Familien in den Slums heisst der Besitz einer Ziege einen echten Zugewinn an Lebensqualität, auch wenn wir wissen, dass es sehr viele Bereiche gibt, in denen die Familien Hilfe gebrauchen könnten. Die Ziege ist oft genug auch nur ein Tropfen. Wenn sie es aber schaffen, erfolgreiche ein Zicklein zu züchten, kann dieses zum Beispiel später für den Gegenwert von 2 Monatsmieten weiterverkauft werden. Daneben kann die Ziege auch gemolken werden, wenn sie ein Junges hat. Ziegenmilch ist sehr nähstoffreich und kann für relativ viel Geld auch auf dem Markt verkauft werden.

Da die lokalen Ziegen aber recht kleinwüchsig sind, haben wir uns entschieden, unsere eigene kleine Ziegenzucht, betrieben von Freunden vor Ort anzulegen. So können wir die lokalen weiblichen Ziegen mit reinrasigen Milchziegenböcken kreuzen. Unser Ziel ist es dann gekreuzte Ziegen an die Familien weiterzugeben, die dann mehr Milch geben. Außerdem ist es nachhaltiger die Ziegen selbst zu züchten, als sehr viele, oft nicht sehr hochwertige Ziegen auf dem kleinen lokale Markt zu kaufen. Darüber hinaus würden wir den lokalen Markt langfristig zerstören, wenn wir die Mengen an Ziegen, die bis jetzt gespendet wurden, alle dort kaufen würden – die Preise würden explodieren, da die Käufer schnell wüssten, dass die Weißen wieder Ziegen kaufen wollen und die ansässigen Farmer könnten sich keine Ziegen mehr leisten.

Dazu arbeiten wir nun mit dem kenianischen Ministerium für Agrikultur, dem Kenyan Agricultural Research Institute (KARI) und einem befreundeten studierten Ziegenzüchter, Dolla Nyaphiedo, der Erfahrung aus vielen Ziegenprojekten mit unterschiedlichsten NGOs mitbringt, zusammen.

Heute haben Maureen, Berlin und ich verschiedene Milchziegenprojekte angeschaut und mit Fachleuten bei KARI gesprochen.

Der Plan für die Zukunft ist nun lokale Ziegen mit reinrassigen Böcken in unserem eigenen kleinen Projekt in Bondo zu kreuzen. In Bondo besitzt Dans Familie Land, dass sie uns für das Projekt zur Verfügung stellen können.Dazu werden wir für alle Empfänger einer Ziege verpflichtende Workshops in Ziegenfarming duchführen, auf denen die Familien das Knowhow der Ziegenhaltung erlernen können. Die Teilnahme an diesen Workshops wird Pflicht sein, um eine Ziege zu erhalten. Weiterhin wird jeder Familie die erste Ziege nur als Darlehen ausgegeben; die erste junge Ziege kommt zurück ins Projekt und wird an eine weitere Familie weitergegeben. Alle weiteren Ziegen gehören dann der Familie.  Dadurch hoffen wir noch mehr Anreiz zu schaffen, gewissenhaft mitzuarbeiten und für das Wohl der Ziegen zu sorgen.
Morgen besuchen wir ein Projekt in Sidindi, bei dem eine Frauengruppe Milchziegen hält und durch den Verkauf der Milch ihre Lebensumstände erheblich verbessern konnte. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

( So sieht übrigens ein Ziegenstall aus, in dem die reinrassigen Milchziegen gehalten werden – diese geben dann bis zu 5 Liter Milch am Tag, die für etwa 1,20 Euro/Liter weiterverkauft oder zur Nahrungsergänzung genutzt werden kann. Auch unsere Kreuzungen aus reinrassigen Böcken mit lokalen Ziegen können bis zu 3 Liter Milch am Tag geben, brauchen dazu aber keinen Stall und kein Zusatzfutter, wie reinrassige Ziegen dies erfordern.)

Hier sieht man eine offensichtlich schwangere“local goat“.

Dies ist eine F2 German Alpine/African Goat Kreuzung. Also eine zweite Kreuzung in zweiter Generation zwischen German Alpine und lokalen Ziegen. Wenn wir solch wunderschöne Ziegen an die von CADAMIC betreuten Kinder und Familien weitergeben können, bin ich mir sicher, dass wir es geschafft haben, nachhaltig etwas in diesen Familien zu verbessern.

Beste Grüße,

Mitsch aus Kisumu

PS: allen Menschen, die sich noch mehr mit Ziegen beschäftigen wollen, sei diese Seite ans Herz gelegt: http://www.smallstock.info/breeds/goats.htm

Familie Amollo aus Bondo grüßt

Um neben den ganzen tragischen und bedrückenden Meldungen aus Kenia und besonders aus Kisumu mal was einfaches und beschwingtes zu melden, schicke ich euch ein Bild aus Bondo. Enstanden vor 4 Tagen in Mbuye.

So einfach kann das Leben sein – ein Feuer, nette Gesellschaft, und eine Packung Haribo Kirsch Gummibären. Da macht es auch nichts, dass wir zusammen in mindestens drei verschiedenen Sprachen sprechen… Emma, Ocampo, Dan, die Zwillinge und Mitsch grüßen aus Bondo.

Neuigkeiten aus Bondo und Kisumu

Hallo Freunde,

viele Grüße aus Kisumu. Ich habe die letzten Tage auf dem Land im Dorf bei Bondo mit Dan und seiner Familie verbracht. Hier ist es unglaublich heiß, fast ist das schon eine echte Dürre und es droht erste Nahrungsengpässe zu geben. Die Felder der Bauern auf dem Land verdorren und wann das nächste mal ausgesät werden kann ist ungewiss.

In der Stadt schiessen die Lebensmittelpreise schon jetzt in die Höhe. Ein kümmerlicher, faustgroßer Kohlkopf ist schon jetzt für die Familien kaum noch erschwinglich
Heute bin ich wieder im Büro von Cadamic und werde die Manyatta Arab und die Kasarani Nursery School besuchen.

Gestern habe ich den Ochiengs eine neue Ziege vorbeigebracht, weil ihre erste unglücklicherweise gestorben war. Die Lebensumstände dieser Familie zu sehen, war wirklich zutiefst bedrückend.

Wer kann sich schon eine Kindheit vorstellen, in der man nie weiß, ob es am nächsten Morgen was zu essen geben wird. Und das nachdem man eine Nacht auf dem kalten, nackten und schmutzigen Boden verbracht hat.

Kevin, Stephen, und Diana Ochieng mit ihren zwei kleinen Geschwistern und ihrer Mum. Die Familie lebt zusammen auf 6 qm mit 7 Menschen. Für Mutter und Vater gibt es im einzigen Raum, den die Familie bewohnt, ein dürftig mit einer Gardine als Raumteiler abgetrenntes Bett. Die Besitztümer der Familie liegen in einem Koffer in einer Ecke. Im Raum gibt es sonst keine Möbel.

Die Kinder haben nichts, auf dem sie schlafen können, außer dem nackten Boden. Keine Decke, keine Matratze…

Die Mutter der Familie verdient sich ein paar Schilling, indem sie gerösteten Mais verkauft, der Vater verkauft Wasser, 20 Liter für 10 Schilling, damit macht er einen Gewinn von 5 Schilling pro 20 Liter, da er das Wasser für 5 Schilling einkaufen muss….

Viele Grüße nach Deutschland,

Mitsch