Watoto Kabisa

e.V. – das Keniaprojekt des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saar im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Programm im Camp

Blogeintrag vom 10.10

Heute morgen startete unser Tag mit einem angemessenen Frühstück. Es gab (wer hätte es gedacht) ungetoastetes Toastbrot. Dazu wurden Mango und Ananas gesnackt. Uns kommt das Brot langsam aber sicher aus den Ohren raus. Danach hatten wir eine 50-minütige Führung durchs Campgelände. Uns wurden verschiedene Baum-, Pflanzen- und Tierarten vorgestellt. Eine sehr beruhigende Information war heute, das die giftigen Spinnen alle in den Baumkronen leben und man sie nur selten auf dem Grund zu sehen bekommt. Nach einer kleinen Pause nahmen wir an ein paar Zusammenhalt aufbauenden Spielen teil. Jetzt gerade ist es 12Uhr und wir haben Mittagspause. Gegen ein Uhr gibt es eine Brotmahlzeit mit einer leckeren Papaya. Heute ist es angenehm warm.

Gina

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Baden Powell

Blogeintrag vom 9.10

_MHB1456Um 8.Uhr begann unser Tag. Nach einer angenehmen Dusche hatte ich noch ein wenig Zeit um auf dem Sofa zu entspannen. Heute morgen backte Titus uns Rührei zum Frühstück. Danach machten wir uns auf den Weg zum Grab von Baden Powell. Dort besuchten wir das Informationszentrum von BP: Wir ließen ein blau gelbes Halstuch mit den Stammesabzeichen von Stamm Falke, Raugrafen, Kurpfalz, Pilgrim Falkoni, Vogt von Hunolstein und ein R/R Abzeichen da._MHB1485 Danach besichtigten wir das Grab von ihm. Vor dem Tor des Grabes ist ein Weg auf dem links Eigenschaften für männliche, und rechts für weiliche Pfadfinder stehen.

Das Grab selbst ist auf einem alten Friedhof, umzingelt von einem weiß lilanen Zaun. Darauf waren verschiedene Blumengestecke. Nachdem alle Stämme Fotos am Grab gemacht haben fuhren wir langsam weiter zum Hotel in dem Baden Powell seine letzten Jahre verbracht hatte. Dort standen wir persönlich in seiner Küche, seinem Schreibzimmer und in seinem Garten. In BP Schlafzimmer darf man für 8000ksh (80Euro) eine Nacht verbringen. Unser nächster Stop war eine kenianische Kaffeefabrik. Dort konnten wir zuschauen wie die Bohnen geröstet werden.

Nachdem wir in der Fabrik den frisch gerösteten Kaffee probiert hatten ging unsere Fahrt weiter. Zu Mittag aßen wir kenianischen Kebab der aus Fleisch und seltsamen Brot bestand und scharf gewürzte Pommes mit viel zu viel Koriander. Trotzdem fand ich das Mittagessen sehr lecker. Danach sind wir wieder zurück ins Camp gefahren. Wir haben nach ungefähr 1 ½ Wochen wieder selbst gekocht. Zum Abend essen gab es Nudeln mit Gemüsesoße. Danach haben uns die Guides aus dem Camp uns Geschichten erzählt. Es ist jetzt 23:50 und ich gehe schlafen.

Gina

Bustag nach Nyeri

Blogeintrag vom 8.10.

Heute morgen starteten wir gemütlich. Wir haben langsam abgebaut und uns gegen 9Uhr auf den Weg zur Kirche gemacht. Gegen 10 hat die zweistündige kenianische Messe begonnen. Irgendwie finde ich die Messe in Kenia viel fröhlicher als bei uns.

Es wurde viel getanzt, geklatscht und gesungen. Nach der Messe sind wir in ein Resterraunt in der Nähe der Kirche gegangen. Dort habe ich Pommes mit Kraut und Bohnen gegessen. Nach dem Essen setzten wir unsere Busfahrt fort. Wir hielten kurz am Equator um dort ein Gruppenfoto zu machen. Am Lagerplatz angekommen bauten wir unsere Kothen auf und aßen zu Abend. Auf dem Platz gibt es einen Sesselkreis indem wir den Abend ausklingen lassen haben.

Gina

Der frühe Start zum Kakamega

Blogeintrag vom 7.10.

_MHB1414Der heutige Tag startete früh. Um 4.30 wurden wir geweckt. Wir bereiteten alles zur Abfahrt vor. Ich gehe mal davon aus, das Titus‘ Tagesmotto „Der frühe Vogel kann mich mal“ war. Der Bus kam nämlich erst eine halbe Stunde nach geplanter Abfahrt an. Um halb 6 fuhren wir dann los. Im Regenwald haben wir viele verschiedene Pflanzenarten gesehen. Die faszinierendste Pflanze war meiner Meinung nach die Blume, die sich bei Berührung zusammenzieht und ihre Samen in alle Richtungen verschießt . Der Name dieser Blume ist „Touch me not“. Außerdem gab es dort noch Affen, Chamäleonsund viele Schmetterlingsarten zu bestaunen. Unser Guide erklärte uns vieles über das Verhältnis der Menschen zum Regenwald.

Nach dem Regenwald sind wir wieder weiter gefahren. Zu Mittag aßen wir in einem Restaurant mit dem poetischen Namen „O’My Restaurt“ gemischte Reisplatten mit Rind, Kartoffeln und Kraut.

Nach dem Mittagessen sind wir noch um die vier Stunden bis zu unserem Schlafplatz gefahren. Unterwegs entwickelte Johanna eine neue Sitzposition, bei der man sich mit dem Rücken flach auf die Sitzfläche legt und die Beine in die Luft streckt. Das „Schäfer-Manöver“ brachte ein wenig Entlastung für unsere arg beanspruchten Steißbeine und in Zusammenhang mit mongolischem Kehlkopfgesang auch richtig gute Laune.

Gina

Der Tag, den man gerne Ruhetag genannt hätte!

Der heutige Tag hat super begonnen: Wir konnten ausschlafen.

Gegen 10 Uhr haben wir gefrühstückt. Es gab Mangos, Zuckerrohr, Passionsfrüchte, Bananen, Orangen und die alltäglichen Frühstückslebensmittel. Wegen einer kleinen Demo in der Stadt haben wir uns dafür entschieden noch einen Tag länger bei Berline zu verweilen. Wir wollten den Tag eigentlich als Ruhetag nutzen. Der Plan ging leider nicht so wirklich auf, da die Kinder aus der Umgebung sich alle vor dem Eingangstor versammelten und in jedem Moment, in dem gerade niemand darauf schaute, versuchten hinein zu kommen. Trotz der auf Dauer anstrengenden Kinder nutzten wir den Tag sinnvoll um zu waschen, Chronik nachzutragen oder um einfach mal ein wenig zu entspannen. Zum Mittag gab es Kürbis mit Reis und Kohl.

Der eigentlich lustigste Satz meiner Chronik an diesem Tag war:

Oh Gott, nichts tun ist tatsächlich anstrengend.“

Gegen Mittag zeigte Berline uns wie man Mandasi selbst machen kann.

Rezept: (für 25Personen)

5Eier

1kg Mandazibackmischung = Mehl, Backpulver und Zucker

ca. 2Päckchen Butter

Mehl in Schüssel, Butter und dann Eier einkneten. Danach Milch einkneten und eine Weile stehen lassen. Zum Schluss beidseitig frittieren bis sie goldbraun gebacken sind. Guten Appetit und viel Spaß beim Nachbacken.

Über den Nachmittag kann ich leider nicht zu viel erzählen, da ich und die meisten anderen ihn verschlafen haben. Zum Abendessen gab es noch ein allerletztes mal Chapati mit Bohnen. Wir gingen früh zu Bett, da der nächste Tag früh starten würde.

Gina

21 Sätze, die ein Keniafahrer nicht sagt

  1. Ich hätte grad richtig Bock auf einen ungetoastetes weißes Toastbrot mit Ketchup.
  2. Also unter 34 Grad wird’s mir schon ein bisschen frisch.
  3. Ich hab schon voll lange kein Tiergenital mehr gesehen!
  4. Ich vermisse wirklich den Sound eines fetten Doppelrohrauspuffs.
  5. Lachende Kinder sind völlig überbewertet.
  6. Klospülung? Nein, ein Schwedenbecher voll Wasser reicht völlig.
  7. Die Straße hier ist so eben und sacht, dass ich im Bus wie von selbst einschlafe.
  8. Kaffee? Vermiss ich überhaupt nicht. Genausowenig wie Käse.
  9. Die Geschwindigkeitsregulierung durch Hubbel in der Straße ist eine super Idee, weil sie ökologisch sinnvoll ist und es meinem Steißbein wieder richtig gut geht.
  10. Balloon, balloon!
  11. Warum in die Waschanlage fahren, wenn man auch rückwärts in den Victoriasee einparken kann.
  12. Katzenbabys werden nach ner halben Stunde langweilig.
  13. Ich habe auf der Reise voll abgenommen.
  14. Ich hatte schon lange keinen Schwarztee mehr.
  15. Daheim schmecken die Bananen besser.
  16. Diese Moskitonetze sind echt unverwüstlich.
  17. Gastfreundschaft ist hier ein Fremdwort.
  18. Hier hätte ich echt gerne meinen Führerschein gemacht.
  19. Ich hab viel zu wenig Kulis dabei.
  20. Ein Luftballon hält für die Ewigkeit.
  21. Wir haben schon lange nicht mehr „The Road“ gesungen.

Wandschmuck in einer Hütte in Korando

Kurz vorm Verhungern!

Nachdem wir schon die ersten Eindrücke von kenianischen Schulen gewonnen hatten, besuchten wir heute die dritte Schule. Als wir mit der pinken Rakete auf das Schulgelände kamen, sahen wir schon die gesamte Schülerschaft der Schule in blauen Schuluniformen zwischen den Gebäuden fröhlich winkend warten. Wir wurden herzlich von den Lehrern empfangen und durften auf einer Art Bühne auf Plastikstühlen Platz nehmen und bekamen ein Programm für den Schulbesuch. Nach ein paar Worten der Dankbarkeit und Begrüßung musste eine Delegation die „Willkommensparade“ der kenianischen Pfadfinder inspizieren.IMG_5432 Die eher militärisch geprägt Vorstellung von Pfadfinderei, wie sie in Kenia gelebt wird, ist für uns doch sehr befremdlich.

Danach saßen wir auf dieser „Bühne“ und durften uns gut vorbereitete Beiträge einzelner Klassen anschauen, wie eine super witzige Modenschau, verschiedene Gedichte, einen Sologesang und modernen sowie traditionellen Tanz. _MHB0722Danach konnten wir uns sehr dankbare Reden verschiedener Vertreter der Schüler*innen, der Lehrer*innen und der Eltern anhören. Auch hier war das Hauptproblem, welches die Schüler vom Unterricht abhält, die fehlenden Binden für Mädchen. Wir haben bei den Reden auch richtig gemerkt, wie sehr die Lehrer engagiert waren und wie familiär die Beziehung der Lehrer und Schüler zu- und zwischeneinander ist. Zum Beispiel hat wohl jeder Lehrer drei Familien als Patenfamilien, um die er sich besonders kümmert. Nach den einzelnen Beiträgen und Reden wurde Uji, der Maisporridge, ausgegeben. Doch wir wurden als Gäste zu einem Essen geladen, obwohl wir alle schon gefrühstückt hatten. Es war sehr lecker, aber auch ansrengend, da, wenn man seinen Teller fertig gegessen hatte, dieser direkt neu von den Lehrerinnen aufgefüllt wurde, trotz mehrmaligem „Dankeschön, ist sehr nett, ich bin schon satt, ich brauch nicht mehr, danke.“

Nach diesem sehr leckeren üppigen Essen, ging es zu den Beneficiary-Groups B1, B2 und C. Wir teilten uns wieder auf, um als Gruppe alles sehen zu können. Unserer Teil der Gruppe durfte mit Mary die Gruppe Korando C anschauen. Diese hatten anscheinend schon ca. drei Stunden auf uns gewartet und hatten in dieser Zeit bereits die Ziegen mit Insektenschutz eingesprüht._MHB0796 Deshalb zeigten sie und noch den Bock Christoph, der nach Chisum benannt ist, und die paar Ziegen, die in dieser Gruppe leben. Danach gab es Chapati und Toastbrot mit Margarine mit den Gastgebern und dem Bürgermeister. Leider waren wir sehr müde durch die Hitze und das gute Essen. Deshalb gingen wir noch zum nahen Victoriasee, der gigantisch und dreckig war.

Da wir von Anfang an im Zeitplan sehr zurückhingen, hatten wir heute leider keine Mittagspause und fuhren direkt zur nächsten Schule, die Manyatta Arab Primary School, einer muslimische Schule, die den Eindruck erweckte, eher reichere Kinder zu unterrichten, was jedoch nicht der Fall war. Dies lag daran, dass das Gebäude vor wenigen Jahren von einer deutschen Stiftung finanziert worden war. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Schulleiter durften wir wieder eine kleine „Marschvorführung“ der Pfadfinder abnehmen. Dann kamen wir auch ins Gespräch, welches am Anfang noch sehr gezwungen war, sich jedoch zum Glück noch lockerte._MHB0869 Wir fingen mit sehr witzigen Kreistanzspielen an, die fast so verrückt waren, wie die deutschen Kreisspiele. Diese machten sehr viel Spaß und waren sehr witzig. Diese Schule war auch die erste Schule, die das Spiel „This is the Story of my Pony“ verstanden hat.

Von dieser Schule ging es dann noch zum Supermarkt und zu unserem Schlafplatz. Dort gab es schon wieder ein sehr leckeres Essen, weshalb wir unsere Gastgeber Berline, Stella und das Team von WONESU zum nächsten Abendessen an den Victoriasee einluden. Wir hatten dann noch eine kleine Singerunde.

Torben

20 deutsche Pfadfinder im kenianischen Knast!

Nach dem entspannten Tag gestern fuhren wir heute morgen nach dem Frühstück mit unserem Bus zu den Landwirtschaftsprojekten, die von WONESU gefördert werden. Seltsamerweise liegen vier von fünf dieser Beneficiary- Groups auf dem Gelände eines Gefängnisses. Unser Weg zu den Projektgruppen führt uns also vorbei an Feldern, auf_MHB0229 denen Häftlinge in ihren gestreiften Overalls arbeiten. Am Tor der Gruppe Korando A wurden wir schon erwartet und mit Gesang und Tanz sehr herzlich empfangen. Uns wurde erklärt, dass die Gruppe nicht nur Ziegen sondern mittlerweile auch Geflügel züchtet und neben Bananen und Kartoffeln auch sehr viele andere Lebensmittel und das Futter für die Ziegen anpflanzt werden. Nach einer Führung über die Ländereien der Gruppe wurden wir auf ein großzügiges Mittagessen eingeladen und konnten außerdem den Porridge probieren, der täglich an den von WONESU und Watoto Kabisa unterstützen Schulen als Mittagessen ausgegeben wird. Nachdem wir uns für das Essen und die Einblicke in das Projekt bedankt hatten, stiegen wir wieder in unseren Bus, verließen das Gefängnisgelände und fuhren zur ersten Projektschule.

Kaum war unser Bus auf das Gelände der Schule gefahren, wurden wir auch schon von unzähligen S_MHB0273chulkindern in gelben Schuluniformen umringt und mit begeisterten „Muzungu, how are you?!“-Rufen begrüßt. Eine Pfadfinderin der Schule berichtet uns über die Probleme, mit denen Pfadfinder in Kenia zu kämpfen haben. Vielen fehlt das Geld für eine Kluft, die für eine Mitgliedschaft bei den Pfadfindern aber unbedingt nötig ist. Außerdem fehlt es an Zeltmaterial.

Auch die Schulleiterin berichtete uns etwas über die Schule und vor allem über die Probleme vieler Mädchen, die sich aus Geldmangel oft keine Binden oder andere Hygieneartikel leisten können, sodass sie jeden Monat für ein paar Tage nicht zur Schule erscheinen. Auch für dieses Problem versucht WONESU im Moment noch eine Lösung zu finden.

Nach diesen Neuigkeiten stürzten wir uns in die Kindermenge, sangen Lieder und spielten mit Luftballons. Die glücklichen Kinder zu sehen, die sich über jedes Händeschütteln und jeden noch so kleinen Ballon ungeheuer freuten, war mit Sicherheit das schönste, was wir bis jetzt auf dieser Reise erleben durften.

Nach dieser unglaublichen Erfahrung fuhren wir mit unserem Bus zum Büro von WONESU und legten eine kleine Mittagspause ein, um uns vor dem Besuch einer weiteren Schule noch ein bisschen auszuruhen.

_MHB0370In dieser Schule wurden wir vom stellvertretenden Direktor empfangen, der uns ebenfalls ein paar interessante Dinge über die Schule erzählte. Auch hier berichteten ein Pfadfinder und eine Pfadfinderin über die Geldprobleme für Zelte und Uniformen. Leider stellte sich heraus, dass das Problem der fehlenden Binden teilweise so stark ist, dass sich viele Mädchen schon sehr jung prostituieren, um Geld für Hygieneartikel und Lebensmittel zu bekommen. Schon von dieser Nachricht geschockt wurde uns dann noch auf sehr unpassende Art deutlich gemacht, dass das Geld in vielen Familien auch für eine ordentliche Schuluniform kaum reicht. Drei Jungs, die bis dahin still und etwas bedrückt auf einer kleinen Schulbank an der Wand des Raumes gesessen hatten, wurden aufgefordert aufzustehen. An den dreien wurde erklärt, wo genau das Geld fehlt. Es wurde auf die kaputten Pullis, die durchgelaufenen Schuhe und die löchrigen Hosen hingewiesen. Dass den Jungs das ganze sehr unangenehm und peinlich war, war ihnen leicht anzusehen._MHB0409

Diese Demütigung brachte uns auf der einen Seite zum Nachdenken, schockierte uns aber mindestens doppelt so viel. Auch die folgenden Spiele mit den andern Kindern konnten uns die unangenehmen Bilder der niedergeschlagenen Schüler kaum aus den Gedanken treiben.

Nachdem sich die meisten Kinder auf den Heimweg gemacht hatten, machten auch wir uns auf zum Büro von WONESU. Diesmal aber aber nicht mit dem Bus, sondern zu Fuß durch den Slum. Die Anblicke, die sich uns hier boten, waren sehr unangenehm, da man die Rolle des „weißen Touristen“, der sich das Elend anderer anschauen will, kaum los wird. Zusammen mit einigen Schulkindern, die teilweise barfuß durch die vielen Pfützen aus Abwässern liefen, durchquerten wir den Slum bis zum Büro von WONESU und machten uns mit unserem pinken Glitzerbus wieder auf zu Berlins Wohnung. Dieser Tag, der sehr schön und positiv mit vielen glücklichen Kindern und gut laufenden Projekten begonnen hatte und mit sehr vielen gemischten Gefühlen endete, war bis jetzt der Tag, der uns am Meisten zum Nachdenken gebracht hat.

Julius

Wir werden überfallen!

img_3927Der zweite Oktober war ein Tag den wir so auf dieser Fahrt noch nicht erlebt hatten, und das ohne wirklich spannend zu sein. Wir hatten das erste Mal die Möglichkeit auszuschlafen, statt zu militärischen Zeiten wie 6 Uhr oder gar 5.30 Uhr aufzustehen. Nach einem erholsamen Brotfrühstück mit Chai, den Berline für uns aufgesetzt hat, schien ungefähr jeder außer mir einen genauen Plan davon zu haben, was zu erledigen ansteht.

Es war der große Mach-deine-Scheiße-Tag. Nach dem jeder, ich inbegriffen, geduscht hat ging es ans Wäsche waschen, Katzen streicheln, Chronik schreiben, Blog auf Vordermann bringen, Material sortieren und Katzen streicheln. Ich hätte mich nicht produktiver fühlen können. Mittags fing es dann auch schon an. Was zuerst mit fünf oder sechs unscheinbaren Kindern, die Spaß dabei hatten, die 20 Muzungus durch das kleine Loch im Tor zu beobachten, mutierte bald zu einem unkontrollierbaren Mob von gefühlt 600 bis 3000 Individuen die sich ihren Weg in den Innenhof gebahnt hatten. Vielleicht spielt mir meine Erinnerung auch Streiche, was die tatsächlichen Zahlen angeht, da wir in den Tagen zuvor überwiegend Kontakt nur mit unseren Fahrern, Titus und unzähligen Wildtieren hatten. Wie dem auch sei. Für mich war dieses Erlebnis eine recht effektive Konfrontationstherapie, auch wenn ich mich zu dem Zeitpunkt lieber drinnen aufgehalten habe und an Berlines „Short class in making Chapati“ teilgenommen habe.

Durch das Ausschlafen war es tatsächlich auch der erste Tag, der schnell vorüberging. Nachdem wir uns ein wenig Handlungsfreiraum in der Wohnung geschaffen haben, indem wir uns zwei Kohten aufgebaut hatten, ging es auch schon ans Abendessen, ebenfalls von Berline serviert (Langsam fängt man kollektiv an, sich schlecht zu fühlen). Nach einem Geburtstagsständchen für einen von Berlines Nachbarn und dem Hochladen zweier Blogartikel ging es dann für mich auch mal ans Schlafen.

Anton

Von Löwen, Schlaglöchern und Raketen

Logbuch, 29.09.2017
The long and scheise road

Für Heute stand nur die Busfahrt von Naivasha in die Massai Mara an. Titus warnte uns schon vor der Fahrt: „This will be very scheise road!“. Das war sie auch. Je weiter wir in Richtung Massai Mara fuhren, um so schlechter wurde die Straße. Irgendwann hörte der Asphalt auf und weiter ging es auf staubigen Straßen, welche immer unregelmäßiger und hubbeliger wurden. Zum Teil gab es zwei Straßen parallel, auf welchen unser Busfahrer George nach eigenem Ermessen wechselte. Eine holprige Angelegenheit. Gefühlt hat jeder von uns 13.000 tausend Herzanfälle.
Gegen 12 Uhr hielten wir in Narok. Dort aßen wir zum ersten mal richtig kenianisch zu Mittag. Nach ein paar Einkäufen ging es weiter, auf ins Nirgendwo.
Irgendwann hielten wir nochmal um uns etwas zu trinken zu kaufen. Ziemlich schnell wurden wir aus sicherem Abstand von mehreren Kindern beobachtet. Winkend und lachend, aber dennoch schüchtern, kamen sie langsam näher. Bis der Kleinste von ihnen sich traute und zu Jonas lief, um ihm ein High Five zu geben. Grinsend lief er wieder zu den anderen. Jetzt trauten sich fast alle. Die die sich nicht trauten, wurden von dem kleinen, mutigen Jungen zu uns geschubst. So viel Spaß es auch machte, es ging weiter auf den schmalen, hubbeligen Straßen in Richtung Massai Mara.
Es wurde wieder etwas abenteuerlich, dennoch vertrauten wir unserem Fahrer noch nicht so ganz. Vor allem dann nicht, wenn man die Hügel und „Abgründe“ neben dem Weg sah. Doch erstaunlicherweise kamen wir gut an unserem Ziel an.
Das Camp war unglaublich schön und wir wurden herzlich von den Massai empfangen. Wir bauten unsere Zelte auf, aßen noch ein wenig und setzten uns in eine Hütte ans Feuer zu einer ruhigen Singerunde. Meine erste seit langem. Wunderbar.

IMG_3787Logbuch, 30.09.2017
Bis nach Tansania und zurück

Gestern Abend hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir um 5:30 Uhr aufstehen, damit wir den Sonnenaufgang in dem Nationalpark schauen konnten. Aufstehen und pünktlich im Bus sein klappte auch, allerdings gestaltete sich das Ausparken mit unserem Bus etwas schwierig und so mussten wir auf den Sonnenaufgang in der Savanne verzichten. Stattdessen musste unser Massai- Guide, Jonathan, die Äste rund um unseren Bus abhacken, damit dieser Wenden konnte. Nachdem dies geschafft war, ging es los zum Gate des Nationalparks Massai Mara.
Der ganze Tag war geprägt von einer herrlich fesselnden Landschaft, mit ihrer unglaublichen Vielfalt an Tieren. Unser Ziel für heute:IMG_4428.JPG Alle afrikanischen Big Five sehen.
Wir haben wahrscheinlich alles gesehen, was die Massai Mara zu bieten hatte. Zebras, Giraffen, Antilopen, Wasserbüffel, Gnus, Elefanten, Hippos, Paviane, Löwen, Erdmännchen, Warzenschweine, Aasgeier, Hyänen und sogar ein Krokodil und einen Leoparden. Fast hatten wir also alles gesehen, doch die Big Five hatten wir noch nicht voll. Büffel, Elefant, Löwen, Leopard, nur das Nashorn fehlte uns noch. Doch so sehr wir auch darauf hofften, dieses Tier blieb uns heute verwehrt.
Überall in der Landschaft lagen Reste von Tierskeletten. Teils sogar am Stück, teils ein einzelner Schädel, an welchem man erkennen konnte, welches Tier hier gefressen wurde.
Für uns sehr erschreckend: Die vielen Touristenbusse, welche ähnlich wie die Aasgeier, die Tiere umkreisten um möglichst die besten Foto zu machen. Noch erschreckender, dass wir uns zwischenzeitlich genau so verhielten, nur eben mit kleineren Kameras. Auf der anderen Seite tat es auch mal richtig gut, einfach nur Tourist zu sein.
Im Nachhinein viel uns auf, dass wir uns alle an das Wackeln und Holpern im Bus gewöhnt hatten, nur noch in ganz, ganz arger Schräglage kam es zu entsetzten Blicken und kurzem Luftanhalten, bis der Bus wieder gerade war.
So langsam füllt sich mein Kopf mit all diesen unglaublichen Eindrücken. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel ich in so kurzer Zeit aufnehmen kann, jeden Tag andere Eindrücke und Erlebnisse.

 

Logbuch, 01.10.2017
Gedanken am Straßenrand

Wieder stand heute eine lange Busfahrt an. Dieses Mal von der Massai Mara nach Kisumu. Los ging es nach Frühstück mit Tee in unserem LKW bis nach Narok, wo wir schon vor zwei Tagen eine Pause gemacht haben. Den ersten Teil der Fahrt verschlief ich zum Großteil. In Narok aßen wir wieder zu Mittag und tauschten anschließend den riesigen Bus gegen unsere kleine rosa Rakete aus Nairobi.
Ungewohnt eng und kuschelig war es in diesem Busse. Da war der LKW, auch wenn die Fahrt in ihm etwas wacklig war, komfortabler gewesen. Nachdem alles so gut es ging verstaut war, ging es auf in Richtung Kisumu. Wann wir ankommen würden stand noch in den Sternen. Titus meinte in 2-3 Stunden, David eher so 6-7. Wir ließen uns überraschen.
Nachdem ich wieder fast eingeschlafen war, aber immer wieder aufwachte, gab es für mich etwas Musik auf die Ohren. Noch so ein Luxus, welcher für die meisten Kenianer wahrscheinlich unvorstellbar ist. Einfach mal so unterwegs die Lieblingsmusik hören, um etwas abzuschalten.
Ich liebe Busreisen. Auch wenn es eng und sehr warm war, finde ich es wunderbar, diese tollen verschiedenen Landschaften wahrnehmen zu können. Auf der Fahrt konnten wir deutlich die Veränderungen in der kenianischen Landschaft wahrnehmen. Aus der Gegend um das trockene Rift Valley bis ins grüne Land um Kisumu.
Doch egal wo wir waren, eins war überall gleich. Die meisten Menschen schauten unserer pinken Rakete überrascht und etwas erstaunt nach. Kleine Jungs unterbrachen ihr Fußballspiel, ältere hielten mit ihren Mofas an. Unauffällig reisen ist wirklich etwas Anderes.

In einer Pause staunen wir darüber, wie schnell das Wasser auf den Steinen verdunstete, nur wenige Sekunden braucht es. In der nächsten Pause regnet es so stark, dass das Wasser nicht in die Erde einsickern kann.
Am Straßenrand war die ganze Fahrt über viel zu sehen. Menschen, die ihrer alltäglichen Arbeit nachgingen. Sie verkauften Obst und Gemüse, trieben Kühe vor sich her, ließen ihre Schafe weiden, führten ihre beladenen Esel vor sich her oder saßen einfach nur am Straßenrand und warteten auf irgendetwas oder irgendwen.
Je näher wir Kisumu kamen, desto weniger regnete es, bis es schließlich aufhörte.
In meinen Ohren sang gerade Farin Urlaub von den Ärzten: „Die Sonne scheint, als hätte sie van Gogh gemalt und auf dem Asphalt steht die Luft…“, ich musste lächeln und fühlte mich gerade sehr glücklich. Irgendwie passte es sehr.
Die Landschaft war mittlerweile sehr grün. Dann kamen wir an. Am Rande von Kisumu wurden wir mit einem unglaublichen Sonnenuntergang empfangen. Er tauchte die Gegend in ein rosa-rotes Licht. Ein bisschen so, als hätte die Sonne über Kisumu den Himmel extra zum Leuchten gebracht, um uns so Willkommen zu heißen. Gegen 20 Uhr kamen wir im Dunkel in Kisumu-Stadt an. Auf den Straßen war noch viel los und wieder waren alle Augen auf unsere, mittlerweile rot leuchtende und blinkenden Rakete gerichtet. Berline empfängt uns mit ihrem Team von Wonesu unglaublich herzlich bei sich zu Hause. Das ganze Team hatte für uns gekocht. Überwältigend, was sie alles gezaubert hatten. Fisch, Fleisch, Ugali (ungewürzter Maisbrei), Reis, Kohl, Linsen…
Zum Nachtisch gab es Früchte, der Unterschied zu denen in Deutschland verblüffte mich sehr. Alles schmeckte so viel frischer und fruchtiger.
Alle waren nach der langen Fahrt unglaublich müde. Berline bat an, dass wir alle bei ihr übernachten könnten. Wir waren froh, heute Abend nicht noch die Zelte aufbauen zu müssen und vor allem, nach der langen Fahrt, nicht mehr in den Bus zu müssen. Es war zwar eng, aber es passte. Einige schliefen drinnen, andere draußen, aber alle in Mückennetzen.IMG_4987

Liebste Grüße in die Heimat

Rieke